Urban Malmberg als Mathis; Foto: Karl + Monika Forster

Ausweglos

Hindemith: Mathis der Maler Gelsenkirchen | Musiktheater im Revier

Opernwelt - Logo

Ein Kraftakt. Für ein Haus wie das Gelsenkirchener Musiktheater bestimmt eine Riesenanstrengung. Lange war Paul Hindemiths «Mathis» in der so opernhausdichten Rhein-Ruhr-Region nicht zu sehen. Doch im Luther-Jahr lässt sich auf Aufmerksamkeit spekulieren mit diesem schwer zu besetzenden, unzeitgemäß-verschrobenen Bühnenwerk, in dem die Frage nach Kunst und Macht, nach Chancen zur Verbesserung der Welt, gestellt wird, vor dem Hintergrund der Erschütterungen des Jahres 1517 und seiner Folgen.

Lutheraner gegen Papisten: Hausherr Michael Schulz inszeniert das erst einmal als Tortenschlacht. Das ist lustig, doch die Eat Art-Performance kippt bald ins gnadenlos Grausame: ob Bauern oder Bündische, es gibt keine Guten, die Welt ist aus den Fugen. Was soll da noch die Kunstheldentat, ein Bild, und sei es noch so gut gemalt? Der Bauernführer Schwalb stellt die Frage, und es ist eine gute Frage. In Gelsenkirchen interessiert man sich aus guten Gründen weniger für die Antworten, für die auf die auf Dauer doch lauen Entsagungsmusiken einer in die Dunkelzonen der Depression führenden «inneren Emigration».

Urban Malmbergs Mathis ist denn auch anderer Art, ein verzappelter, in sich gefangener ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Im Labor

Da ging alles auf Anfang. Der neue Freiburger Intendant Peter Carp brachte bei seinem Opernstart mit Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» gleich drei neue Damenstimmen ins Spiel, die Karriere machen könnten und die verstärkte Hinwendung zu einer festeren Ensemblekultur signalisieren: Samantha Gaul als koloraturaffine Olympia, Solen Mainguené als...

Lehrstück und Seelendrama

Die Liste der bemerkenswerten Händel-Einspielungen wächst, die Repertoirelücken füllen sich langsam. Dafür sorgen nun auch die Neuaufnahmen von «Ottone», dem Erfolgsstück aus Händels erster Londoner Academy 1723, und «Il trionfo del Tempo e del Disinganno». Vom «Trionfo» gibt es im Handel zwar gut ein halbes Dutzend CD-Aufnahmen, aber mit der Neuproduktion vom...

Mal ehrlich Dezember 2017

Kürzlich tourte das Music Theatre Wales mit dem «Goldenen Drachen» von Péter Eötvös durch Großbritannien. Ein starkes Stück. Es spielt in einem chinesischen Restaurant (Libretto: Roland Schimmelpfennig), es mäandert zwischen Surrealismus und Fabel, enthält Momente der Komik, aber vor allem viel Verstörendes, geht es doch um Menschenhandel und das Leid illegaler...