Starke Musik, schwaches Libretto
Ahnenforscher finden bei den Wagners meist fruchtbaren Boden, nicht nur in der realen Familie. So begegnen wir in Siegfried Wagners «Rainulf und Adelasia» beispielsweise dem Ur-Enkel von Meyerbeers «Robert le Diable».
Die historischen Figuren um Rainulf, Adelasia und Sigilgaita entdeckte Siegfried Wagner in Graf von Schacks Abhandlung «Die Geschichte der Normannen in Sizilien». Die Oper nimmt vereinzelt auch Bezug auf das Leben der Wagners, darunter auf Cosimas Falschaussage über ihre Tochter Isolde. Peter P.
Pachl macht in seinem fundierten Booklet-Text hier den eigentlichen, autobiografischen Anlass der Komposition aus.
Hätten wir nur das von Siegfried selbst stammende Libretto, man geriete umgehend in Versuchung, es dem Altpapier zu übereignen. Die Handlung um den Machtkampf zweier Brüder – angesiedelt im Jahr 1194 in Reggio Calabria – ist reichlich verquast. Wilde Versmaße und gedrechselte Reime sowie einige unbeholfen übernommene Bruchstücke aus den Texten des Vaters stellen zusätzlich unser Durchhaltevermögen auf die Probe.
Doch glücklicherweise ist das Ganze in Musik gesetzt. Und da liegen die Stärken des Werks, dessen Partitur im August 1922 abgeschlossen wurde: eine ...
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