Kunst und Welt
Ein besonderer Saisonauftakt in Kassel. Zuerst Hans Werner Henzes und Edward Bonds Tanztheater «Orpheus», worauf sich das Publikum bemerkenswert einließ: Nur wenige Plätze blieben frei. Eine Woche später folgte «Fidelio». Das Henze-Experiment gelang. Es wurde ein bewegter und bewegender Abend vor den Augen und Ohren des gebrechlichen Komponisten. «Orpheus» (1978/1986) hat eine klare Aussage: Nur ohne Arm und Reich, ohne Unten und Oben kann ein stabiler Zustand unserer Welt geschaffen werden. Brauchbar ist diese These auch heute, wer möchte es bestreiten.
Es geht auch ohne Religion, fügen die Autoren hinzu und lassen am Ende die Menschen übermächtige Fragmente einer Götterstatue zerstören.
Auf der großen Bühne des Opernhauses konnte Tanzdirektor Johannes Wieland aus dem Vollen schöpfen. Es gab weder Leerlauf noch choreografische Füllmasse. Großartig zum Beispiel die Höllenszene, in der die Toten gezwungen sind, sich im Wasser zu wälzen, statt im Feuer zu schmoren. Emotionale Höhepunkte waren die erste Wiederbelebung Eurydikes und der Gang aus der Unterwelt. Rémi Benard als Orpheus und Wencke Kriemer de Matos demonstrierten über gut anderthalb Stunden alle Möglichkeiten körperlicher ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Johannes Mundry
Warum ist die eine Oper erfolgreich und die andere nicht? Rossinis «Wilhelm Tell» quillt über vor schönen Melodien, wirksam instrumentierten Szenen, massenkompatiblen Arien und stimmungsvollen Ensembles. Und doch hat sich nur die Ouvertüre als Wunschkonzert-Schmankerl etablieren können. Womöglich war das letzte Werk des Maestros aus Pesaro zu überraschend für seine...
Während der zehn Jahre seiner Intendanz am Bonner Theater hat Klaus Weise in der Oper gezielt das selten gespielte Repertoire des frühen 20. Jahrhunderts gepflegt und zumeist auch selbst inszeniert. Es waren veritable Entdeckungen dabei, etwa Franz Schrekers «Irrelohe» oder Eugen d’Alberts «Golem». Zum Abschied hat er nun Paul Hindemiths Triptychon auf die Bühne...
Jede Köchin muss in der Lage sein, die Staatsmacht auszuüben», lässt sich Lenin im Programmheft zitieren. Bevor das allerdings geschehen kann, gilt es erst einmal Tabula rasa zu machen in den eigenen vier Wänden. Von denen kann in der Oper «Wir gratulieren» von Mieczyslaw Weinberg zwar nicht die Rede sein; zwei Akte lang spielt sie in der Küche eines...
