Rüschen, Thesen, Maskeraden
Wie ein Filmdrehbuch hat Hugo von Hofmannsthal das Libretto des «Rosenkavalier» abgefasst, jede Nuance des Bühnengeschehens genau festgelegt. Über Jahrzehnte hinweg, von der Dresdner Uraufführung (1911) an, hielten sich Regisseure penibel an diese Vorgaben. Noch bis in die jüngste Zeit galten die traditionellen Inszenierungen eines Rudolf Hartmann oder Otto Schenk als Referenz. Das moderne «Regietheater» ist freilich auch an diesem Renommierstück nicht spurlos vorbeigegangen.
Mittlerweile scheinen die alten um die Bühne ausgetragenen Kämpfe ausgefochten, halten sich Respekt vor dem Werk und szenischer Eigensinn die Waage. In Altenburg, Kassel und Weimar jedenfalls war das jüngst zu beobachten – ambitionierte Bemühungen um ungeahnte Perspektiven auf ein wohlbekanntes Stück, die auch von einem überwiegend konservativen Publikum akzeptiert wurden.
Altenburg: Octavian als Todesengel
Die Altenburger Inszenierung Alexander von Mayenburgs baut auf einer leicht verwegenen Idee auf. Octavian erscheint hier als Todesengel, der auf einer Barke ins Schlafgemach der Marschallin einfährt. Die weiß wohl, worauf sie sich eingelassen hat, denn die Kralle, die seinen linken Arm verunziert, nimmt sie ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Ekkehard Pluta & Wolfgang Schreiber
Fridericus Rex. Das verklärte Bild des alten Fritz spukt sofort im Kopf herum, wenn von Sultan Qabus ibn Said Al-Said die Rede ist. Der Große, der Weise, der Musenfreund. Ohne seine Majestät läuft nichts im Oman. Wie weiland bei den Preußen. Ein Herrscher, der per Dekret regiert, aus dem Hintergrund, der splendid isolation seiner Residenzen. Wie seinerzeit der...
Eigentlich sollte Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nie von den Spielplänen verschwinden. Die auf Grimmelshausen beruhende Parabel von dem einfältigen jungen Menschen, der Kriegsleid erfährt, hellsichtig gesellschaftliches Unrecht enttarnt und einen Aufstand der Unterdrückten initiiert, spielt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, zielte aber...
Wie sind Sie Souffleuse geworden? Eine Ausbildung gibt es ja nicht.
Ich habe Theaterwissenschaft studiert und anschließend als Dramaturgin am Musiktheater gearbeitet. Doch dann kamen meine Töchter zur Welt – vor 31 und 27 Jahren –, und als ich wieder einsteigen wollte, gab es keine freie Stelle. Aber in Wuppertal wurde eine Souffleuse gesucht. Hauptsache wieder...
