Flachrelief

Mozart: Così fan tutte Stuttgart / Oper

Opernwelt - Logo

Jeder weiß, was gespielt wird. Von Anfang an. Und es sieht schwer danach aus, dass in dem braunschwarz furnierten Wohnregal, das Herbert Murauer auf die Bühne der Stuttgarter Oper gewuchtet hat, nicht die erste Swinger-Übung läuft. Was die drei Damen und die drei Herren schon so alles ausprobiert haben, wenn sich der Vorhang quietschend für das nächste Abenteuer hebt, bleibt natürlich verborgen. Die Ouvertüre jedenfalls lässt nichts blicken: Sylvain Cambreling und das Staatsorchester halten sich bedeckt.

Abgeklärt, fast beiläufig klingen die einleitenden C-Dur-Schläge, seelenruhig ebnen Oboen und Fagotte den Weg zur Dominante, aus der das Presto stürzt. Auch hier gerät nichts aus der Fassung: gedämpfte Gefühle statt rasender Herzen. Eingefroren, wie in einem Filmstill – so stellt der griechische Regisseur Yannis Houvardas uns die «Così»-Figuren vor. Erst das Triolen-Gemurmel der zweiten Violinen im G-Dur-Terzett erlöst sie aus der Starre, erst mit Ferrandos «La mia Dorabella» kommt etwas Bewegung in die Geometrie der Liebe.

Dorabella und Fiordiligi sind also eingeweiht, wenn Don Alfonso mit Ferrando und Guglielmo auf die Untreue der Bräute wettet. Sie wissen über das Komplott, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Geliebte Feinde

Lior Navok assoziiert mit «Fluss» nicht Lethe, sondern Ähnliches wie Henze in «Wir erreichen den Fluss» (1975) – eine symbolhafte Grenze von Lebenssphären. Sehr viel konkreter bezeichnet der israelische Komponist (Jahrgang 1971) den Fluss überdies als das trennende und verbindende Element zweier verfeindeter Völker (mit dem von beiden Seiten begehrten Wasser), und...

Der Star sitzt im Graben

Ist’s nun eine Hommage an das realistische Musiktheater? Oder doch eher Bühnensymbolismus? Oder wird hier Büchners und Bergs harter Sozialrealismus mehr oder weniger mutwillig gegen den Strich gebürstet? Um es gleich zu sagen: Der «Wozzeck» an der Opéra de Dijon ist ein großer, ein großartiger Abend geworden. Weil die Regisseurin Sandrine Anglade, bekannt für ihre...

Der polnische Verdi?

Einem patriotischen Polen kämen keine Bedenken, Stanislaw Moniuszko an den Größten seiner Zeit zu messen und ihn als polnischen Verdi zu bezeichnen. Dabei hat den nur sechs Jahre jüngeren Moniuszko eine ähnliche politische Situation geprägt wie den italienischen Kollegen. Das Kongress-Polen von 1815 war ein schwacher und abhängiger Staat, Erhebungen 1830 und 1846...