Traumbild: Anne Sophie Duprels (Katiusha) mit Niamh White (Das Kind) in «Risurrezione»; Foto: Festival/Clive Barda
Tristan und Isolde im Schnee
Der Gott des Windes war wütend. Doch nicht die ungeduldigen Mannen des Odysseus hatten seinen Zorn erregt, irgendetwas anderes musste ihm die Seele beschwert haben. Und so sandte Aiolus einen Orkan mit dem eigentlich harmlosen Namen «Brian» über Irland, den es in dieser Stärke ein halbes Jahrhundert lang nicht gegeben hatte. Bäume wurden entwurzelt, Dachziegel flogen durch die Luft, Autos kippten um, sogar einige Menschenleben forderte der Sturm.
In Wexford ließ man sich davon, bei allem Schmerz über die Opfer, nicht beirren.
Zwar mussten Proben verlegt oder gleich ganz abgesagt werden. Doch pünktlich zu Beginn des Festivals hatte man die Lage wieder im Griff. Der Lappen ging hoch. Und bescherte dem Publikum erneut Raritäten der besonderen Art sowie mit Cherubinis «Medea» ein Werk von mythischem Format. Doch hierzu später.
In nur fünf Monaten des Jahres 1903 schrieb Franco Alfano seine Oper «Risurrezione» auf ein Libretto des in Paris lebenden italienischen Dichters Cesare Hanau, das Tolstois (nahezu) gleichnamige Erzählung auf freizügigste Weise arrangierte und für die Bühne zuspitzte. Am 30. November 1904 war es so weit. Tullio Serafin, gerade mal 26 Jahre jung, von den Musen ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Dass ein Regisseur während der Produktion hinwirft oder erkrankt, kommt im Risikogeschäft Theater hin und wieder vor. Dass er die Arbeit gar nicht erst aufnehmen kann, weil er sich einem Justizverfahren ausgesetzt sieht, hat es wohl noch nie gegeben. Kirill Serebrennikov, der 2015 an der Oper Stuttgart eine sensationelle «Salome» inszenierte und 2016 an der...
Marc-Antoine Charpentier (1643-1704) – der breiteren Hörerschaft eher als Komponist eines Te Deums und der aus diesem gefilterten Eurovisionsfanfare bekannt – nahm sich des Orpheus-Mythos lange vor Gluck an. Doch seine Tragédie lyrique «La Descente d'Orphée aux Enfers» aus den Jahren 1686-87 blieb vermutlich unvollendet. Geschrieben als Kammeroper für das zehn...
Seit zehn Jahren leitet Stefano Mazzonis di Pralafera das Opernhaus in Liège. Er ist gebürtiger Italiener und gelernter Opernregisseur. Sein künstlerisches Credo passt in einen Satz: «Wir sind ein italienisches Opernhaus in Belgien.» Auf dem Spielplan stehen Verdi, Puccini, Belcanto, manchmal Raritäten. Das Haus, in der laufenden Saison zu 100 Prozent (!)...
