Was ist dramatischer Gesang?
Nina Stemme zu loben, ist eine schöne, ja sogar vergnügliche Sache: Man weiß, dass man nicht schummeln muss. Nina Stemme ist eine der größten Sängerinnen ihres Fachs und das nicht nur auf ihre Generation bezogen. Der Laudator kann also ehrlich sprechen. Das macht Freude. (...)
Ich will Ihnen bekennen, wann, wo und warum ich sie am allermeisten bewundert habe. Mehr als selbst bei grandiosen Vorstellungen in Wien, Bayreuth oder Berlin. Es war am 13. Oktober 2009. Ein Dienstagabend.
Da bekam Plácido Domingo im Goldfoyer der Königlichen Oper von Stockholm den ersten Birgit Nilsson Preis. La Nilsson war damals schon drei Jahre tot, aber sie hatte Domingo noch als ersten Preisträger festgelegt.
Stellen Sie sich also vor: ein Festakt zu Ehren von Birgit Nilsson in ihrer schwedischen Heimat. Natürlich sitzen die Nilsson-Fans im Raum, soweit sie Karten für die überfüllte Veranstaltung bekommen konnten. Das Königspaar ist anwesend. (...) Natürlich sind Journalisten aus aller Welt angereist. Vor allem aber sitzen mehrere Generationen schwedischer Sängerinnen und Sänger im Parkett: Menschen, die ihr Leben der Stimme geweiht haben. Künstlerinnen und Künstler von internationalem Ruf. Alles ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Laudatio, Seite 48
von Stephan Mösch
Zum Doppeljubiläum Wagner/ Verdi hatte die Hochschule für Musik und Tanz in Köln eine Ringvorlesung angesetzt, die den Untertitel «Kulturen der Oper» trug. Die Idee mag auf den ersten Blick wenig spektakulär sein, zeigt sich aber bei näherer Betrachtung als überaus anspruchsvoll. Die zwölf daraus hervorgegangenen, vom Initiator Arnold Jacobshagen jetzt in Buchform...
Im Rückblick hat das Verdi-Jahr 2013 kaum aufregende Erkenntnisse oder gar Neubewertungen hervorgebracht. Umso erstaunlicher, dass nun, zum Ende des Folgejahrs, eine der als problematisch geltenden und deshalb bislang stiefmütterlich behandelten frühen Opern Verdis großes Interesse findet: Die Schiller-Adaption «Luisa Miller» scheint ihr schwieriges Image plötzlich...
Im Jahr 1925 nahm sich der französische Schriftsteller und Philosoph Georges Palante in der bretonischen Kleinstadt Saint-Brieuc das Leben. Ein spätes Nachbeben dieser Tat hat nun die Opernbühne erreicht. Bereits 1935 hatte Louis Guilloux seinem Lehrer, der eine anarchistisch-individualistische Lebensauffassung vertrat, mit dem autobiografisch gefärbten Roman...
