Kunsthandlungen in Weiß

Die «Matthäus-Passion» als postdramatische Installation: Romeo Castellucci schließt in den Hamburger Deichtorhallen Bach mit dem Alltag kurz

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Im alten Japan war Weiß die Farbe des ­Todes und der Trauer. Bei Romeo Castelluccis neuester Kunstanstrengung, die sich an die Inszenierung von Bachs «Matthäus-Passion» wagt, erinnert das allgegenwärtige Weiß weniger an buddhistische Trauerrituale als vielmehr an jenes Weiß, das in Galerien und Museen als Hintergrund der Präsentation von (zeitgenössischer) Kunst dient. Der White Cube ist längst selbst zum Signum der Kunst geworden, denn er objektiviert die in ihm positionierten Objekte und adelt sie durch seine kühle Zurückhaltung.



Der Hamburger Intendant Georges Delnon kennt sich besser als die meisten seiner Kollegen mit den Usancen der aktuellen Kunst und ihren ­ästhetischen Ritualen aus. Schließlich kommt er aus Basel, wo mit der Art Basel die hippste Kunstmesse der Welt alljährlich Furore macht, und hat dortselbst mit der Messe das Format «Art on stage» erfunden. Nicht zufällig konzipierte er natürlich auch Castelluccis «Matthäus-Passion» bewusst nicht fürs Opernhaus am Gänsemarkt, sondern zog für nur drei Aufführungen in die Deichtorhallen, Hamburgs fortschrittlichsten Kunst-Ort.

Diese markanten Bezüge zur Gegenwartskunst sind gewollt. Vieles, was an diesem pausenlosen ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Regine Müller

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