Klassiker und Fundstücke aus den frühen Fünfzigern
Zwei Klassiker der Mono-Ära, die Decca- «Salomé» unter Clemens Krauss (1954) und «Hänsel und Gretel» unter Herbert von Karajan (EMI, 1953), wurden jetzt bei Naxos neu aufgelegt, auf der Grundlage der britischen Original-LPs von Mark Obert-Thorn restauriert. Krauss führt das Riesenorchester von Strauss zu kammermusikalischer Klarheit und Leichtigkeit, ohne der Partitur an Farbenreichtum etwas schuldig zu bleiben. Christel Goltz war neben Ljuba Welitsch und Inge Borkh die bedeutendste Salomé ihrer Generation und hat ihr Rollenporträt in drei Studio-Aufnahmen festgehalten.
Hier erreicht sie ihre Bestform. Einen textlich wie musikalisch prägnanteren Herodes als Julius Patzak hat es seither nicht gegeben, und auch das restliche Ensemble ist stimmig.
Manche Dirigenten halten «Hänsel und Gretel» für die beste aller Wagner-Opern. Karajan lässt zwar erkennen, was der Schüler dem Meister verdankt, sein Dirigat fasziniert aber vor allem durch einen schlanken und dabei sinnlichen Klang sowie große Geschmeidigkeit. Elisabeth Grümmer und Elisabeth Schwarzkopf können in den Kinderrollen eine gewisse Affektiertheit zwar nicht vermeiden, ihr Gesang aber ist das reinste Vergnügen. Das gilt auch für ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer Stéphane Lissner begegnet, in Aix-en-Provence, in Paris, in Wien, trifft einen eher zurückhaltenden, ruhigen Menschen, der einen freundlich begrüßt. Wer sich allerdings die Liste der Positionen durchliest, die der 1953 in Paris geborene Lissner im Laufe der letzten dreißig Jahre besetzte und zu einem nicht unwesentlichen Teil noch besetzt hält, der muss...
Elends-Ambiente, die blanke Not gibt es weder in Freiburg noch in Mannheim. Beide «Wozzeck»-Inszenierungen, die von Markus Lobbes in Süd- wie die von Olivier Tambosi in Nordbaden, munitionieren sich nicht im sozialen Umfeld der Gestalten. Ihre Ortlosigkeit ist total. Gottfried Pilz’ Mannheimer Bühne ist ganz leer: Sand, nichts als Sand, ein Hauch von Zirkus, von...
Die Kugelgestalt der Zeit, das Über-, Mit- und Durcheinander von (Vor-)Gestern und Morgen: Wäre das ein Konzept für die Oper der Zukunft? Christoph Cech suchte dieses Prinzip bei der Neuen Oper Wien an «Orfeo» zu realisieren. Seine Schöpfung geriert sich als Palimpsest, das Spuren von Monteverdi mit zeitgenössischen Mitteln überschreibt. Vom Cremoneser Altmeister...
