Auswege
Opern-Tage» will das Festival in Rotterdam bieten. Unter dem Begriff wird an der Rheinmündung alles mögliche subsumiert: von objets trouvés über Klanginstallationen bis hin zu Essensschlachten in Reizwäsche. Gewiss, Gesang bekommen wir zu hören. Auch die eine oder andere Geschichte serviert. Aber Oper?
Man nehme etwa den diesjährigen «Parsifal»: Zwar spielt ein Instrumentalensemble, es wird auch gesungen, sogar ein paar der Leitmotive lassen sich ausmachen. Doch die Vorstellung beginnt in einem alten Kommunaltheater, auf der Bühne die Anwohner mit Kind und Kegel.
Zu Fuß geht es dann weiter zu einem verlassenen Bürogebäude, wo das Publikum, aufgeteilt in Teams, in ein komplexes Spiel verwickelt wird. Noch ein Spaziergang, und die Veranstaltung endet auf dem Dach eines Hauses. Arlon Luijtens «Parsifal»-Game ist mehr als eine Dekonstruktion des Originals: Es entwickelt sich eine musikalische Interaktion mit der Stadtlandschaft, inspiriert von Wagners Ideen.
Freies nach Wagner bietet auch «Operawandeling». In einer umgewandelten Garage, umrahmt von Kunstobjekten, erklingen Wesendonck-Lieder in einer Neufassung der Komponistin Annelies Van Parys (das von den Geschwistern Gable und Romy ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Shirley Apthorp
«Heute findet jede Zeitung / größere Verbreitung durch Musikkritiker / Und so hab auch ich die Ehre / und mach jetzt Karriere als Musikkritiker», schnodderte Georg Kreisler in den Sechzigern mit herrlich gerolltem «rrr». Der Rezensent in seinem Song hat von Tuten und Blasen keine Ahnung, dafür rächt er sich an den Künstlern. Er hat mit dem Publikum rein gar nichts...
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Grenzgänger
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Schon merkwürdig, wie routiniert, beinahe ungerührt die Musiker des Wuppertaler Sinfonieorchesters Lulu exekutieren. Der berstende Akkord, mit dem Berg ihr grausames Ende markiert, das zu einem schreienden Memento geschichtete Vertikalbild der Zwölftonreihe, die seiner Wedekind-Oper zugrunde liegt, kommt so verhalten, so beiläufig, als sei nichts passiert....
