Richard Wagner und das Tempo in seiner Musik
Im Zeitalter der Medien geht es im Allgemeinen nicht mehr um die Darstellung des jeweiligen Werkes, sondern um die Selbstdarstellung der Dirigenten und Regisseure. Da von der Mehrzahl der Medien bei der Vielzahl der Ereignisse nur noch die Extreme beachtet werden – es muss extrem jung oder alt, extrem schnell oder langsam, extrem leise oder laut, extrem schön oder hässlich sein – richtet sich eine überwältigende Zahl der Interpreten nach dieser Anforderung der Zeit, um von diesen Medien beachtet zu werden.
Diese These zu erhärten, scheint nicht so einfach.
Am Beispiel der Temponahme lässt sie sich jedoch deutlich beweisen. Beim Studium der Aufführungstraditionen von Wagners Werken fällt auf, dass etwa in den ersten 70 Jahren der Existenz dieser Werke eine bestimmte Richtung der Temponahme feststellbar war, die auf der Übertragung von einer Generation zur anderen basierte und (fast) keine extremen Abweichungen aufweist. Einzelne Verlangsamungen des Tempos bei Wagners Werken gab es aber auch schon zu seiner Zeit, und der Komponist wehrte sich heftig. So wurde ihm zugetragen, dass seine «Tannhäuser»-Ouvertüre an Stelle der von Wagner in Dresden benötigten zwölf Minuten sogar zwanzig ...
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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Wagner 200, Seite 66
von Hartmut Haenchen
Wichtige Sängerinnen und Sänger der Saison
Christian Gerhaher spricht singend und singt sprechend. Auf der Bühne nimmt er sich selbst gern zurück, scheint sich vollkommen mit Text und Tönen zu identifizieren. Vielleicht ist das der Grund, warum er so überzeugend erzählen, so natürlich bleiben kann. Natürlichkeit war eine Forderung Debussys an den Vortrag – und...
THALIA: Ich habe für dein Theater ein neues Kunstgenre ersonnen – die Operette...
MAEANDROS: Was ist das?
THALIA: Die Operette – das ist so eine Sache in drei Akten, wo die Damen
bei Musikbegleitung ihre Beine und Muskeln sehen lassen.
Aus: Vorspiel zu «Der Göttergatte»
von Viktor Léon und Leo Stein, Musik von Franz Lehár
Wieder einmal soll es nur ein Scheintod...
Wagner hielt nichts von Verdi, kannte seine Werke kaum. Verdi dagegen hat sich intensiv mit dem deutschen Kollegen beschäftigt. Zwar ärgerte ihn der Vorwurf, er «gebärde sich wie Wagner», was Bizet nach einer Aufführung von «Don Carlos» behauptete. Aber in seinen beiden letzten Opern kann man die bewusste Auseinandersetzung hören. Otello und Desdemona sind in...
