Apropos ... Verführung
Mrs. Matthews, obwohl Mozart im Zentrum Ihres Repertoires steht, sieht es ganz so aus, als sei Ihr Donna Anna-Debüt Ihre erste Begegnung mit dem «Don Giovanni» überhaupt.
Das stimmt nicht ganz. Die Elvira habe ich als Studentin schon in einer kleinen Produktion gesungen, und die Zerlina hatte ich schon für Covent Garden gelernt. Nur habe ich sie dann nicht gesungen, weil ich schwanger wurde.
Sie haben da die Auswahl zwischen drei Frauen. Warum haben Sie sich für Donna Anna entschieden?
Einfach, weil sie die beste Musik hat.
Elvira ist ein fantastischer Charakter, kann aber auch sehr aggressiv sein. Zerlina ist lieb und sexy, aber das ist es dann auch. Die Schönheit und die Innerlichkeit des Ausdrucks aber sind für Donna Anna reserviert.
Traditionell wird Donna Anna eher mit dramatischen Stimmen besetzt, die auf große Ausbrüche statt Innerlichkeit setzen.
Ich glaube nicht, dass Anna unbedingt eine dramatische Stimme braucht. Schließlich ist sie eine junge Frau, und das Interessante an ihr ist doch gerade, dass sie viele ihrer Gefühle gar nicht direkt äußert. Selbst nach dem Ausbruch des «Or sai chi l’honore» zieht sie sich sofort wieder zurück.
Sympathisch wirkt sie allerdings nicht. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Rutherford, mit Ihren 38 Jahren dürften Sie der Jüngste sein, der Hans Sachs in Bayreuth gesungen hat, zumindest in den letzten Jahrzehnten.
In den allerletzten vielleicht, doch 1969 sang Norman Bailey dort den Sachs mit gerade sechsunddreißig. Es ist wahrscheinlich nicht die Partie, mit der man normalerweise eine größere Karriere beginnt, aber für mich...
... und wenn sie nicht gestorben sind. Das ist das lieto fine vieler Märchen. Am Ende des neuen «Ring» an der Hamburgischen Staatsoper ist Siegfried nicht gestorben. Nach dem Weltbrand steht er mit rücklings blutbeflecktem Hemd am Fenster und blickt versonnen – wohin? Er rührt sich nicht, wenn ihm Brünnhilde, die sich zuvor mit seinem Schwert die Pulsadern geöffnet...
Ein wenig erinnert er an Peer Gynt. Wie der Titelheld aus Ibsens Drama, so ist auch Stefan Solyom viel herumgekommen in der Welt. Doch die Motivation hinter der Reiserei könnte unterschiedlicher nicht sein. Gynt, der Unglücksrabe, sucht (vergeblich) das Leben und die Liebe. Solyom, das Glückskind, hat beides schon gefunden. Und dazu seinen ersten festen Job. Seit...
