Barocker geht's nimmer
Am Abend des 21. Januar 2008 versetzten der Regisseur Benjamin Lazar und der Dirigent Vincent Dumestre die französische Opernszene in einhelligen Begeisterungstaumel. «Ein berauschendes Barockfest», schwärmte «Libération» über die neue Produktion an der Opéra Comique, «ein Spektakel, das man gesehen haben muss», konstatierte der «Figaro», und «Le Monde» pries das Ereignis gar als «extrem raffiniertes, unbändig lebendiges Gesamtkunstwerk».
Völlig überraschend kam dieser Jubel nicht, denn schon mit ihrer ersten Zusammenarbeit vier Jahre zuvor, Molière/Lullys «Bourgeois Gentilhomme», hatten Lazar/Dumestre Publikum und Kritik begeistert – ihr akribischer Versuch, das Theater der Ära Ludwig XIV. zu rekonstruieren, ist inzwischen auch auf DVD zu bewundern.
Diesmal waren die beiden jedoch noch einen Schritt weiter gegangen: Mit der 1673 uraufgeführten tragédie lyrique «Cadmus et Hermione», hatten sie sich nicht nur das erste Produkt des Dreamteams Jean-Baptiste Lully und Philippe Quinault vorgenommen, sondern die erste vollwertige französische Oper überhaupt. Wiederum stützten sie sich bei der Produktion auf die Archivarbeit der Experten des Centre de Musique Baroque in Versailles, die ...
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