Körperstimmen
Er schafft es immer wieder. Das scheinbar Vertraute neu zu sehen und neu zu hören. Als wären wir ihm nie begegnet. Mozart zum Beispiel schickte er vor ein paar Jahren in die Banlieues. Bach hat er befragt und Monteverdi. Und zuletzt die C(h)œurs von Verdi und Wagner. Ihren Puls, das in ihnen Pochende, aus ihnen Drängende will Alain Platel uns unter die Haut treiben.
Die Wut des Dies irae im Requiem, das Rebellische im Wach auf! der Meistersinger, das Vordergründige des Machtjargons im dritten Lohengrin-Aufzug (Heil! König Heinrich! Heil!) – Platel lässt die Königsweise von einem seiner Tänzer singen, sprachlos, daaa da da daaa, mit brüchiger Stimme, eine geprügelte Kreatur, der der Angstschweiß auf der Stirn steht, als der unsichtbare Chor Für deutsches Land das deutsche Schwert fordert. Hier rückt die Close-up-Einstellung, die Bildregisseur Andreas Morell allzu häufig wählt und damit die Panoramaperspektive, die Tableaus der Masse fast an den Rand drängt, einen von allen entfernten Isolierten in den Blick, ungeschminkt, ausgeliefert kollektiver Hysterie. Die Kameras bleiben den zehn Tänzerinnen und Tänzern der ballets C de la B auch sonst dicht auf den Fersen, ihren spastisch ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Albrecht Thiemann
Sensationelle Erkenntnisse verhieß sie, die Ausstellung Mozart-Bilder – Bilder Mozarts im Mozart-Museum am Salzburger Makartplatz (bis 14. April 2013). Das berühmte Porträt von Johann Joseph Lange (1789), Mozarts Schwager, sei nicht unvollendet, wie «jüngste» Analysen des Münchner Doerner-Instituts bewiesen; eine Miniatur sei «kürzlich» als authentische...
Kaum ein Theaterklassiker provoziert so widersprüchliche Gefühle wie Kleists Prinz von Homburg, gleichsam die preußisch-protestantische Neuauflage der altgriechischen Tragödie: Anstelle der Götter gebietet der Kurfürst über Sein oder Nichtsein. Nachdem er den unbotmäßigen Prinzen durch das Stahlbad lutherischer Selbsterkenntnis geschickt hat, erlässt er ihm in...
Theater ist immer auch Architektur, Architektur immer auch Theater. Ob Bauwerk oder
Bühnenbild – es geht nicht zuletzt um die Inszenierung von Räumen. Deshalb holen sich Intendanten gern Stararchitekten ins Haus. Das war schon zu Schinkels Zeiten so. Und ist bis heute so geblieben. Nicht nur Daniel Libeskind, Stefan Braunfels oder Herzog & Meuron arbeiten...
