Erstklassig gecastet
Warum verwendete Händel nicht den Librettotitel «Ginevra», warum nannte er das Stück nicht wenigstens «Ariodante ed Ginevra»? Weil er ein Macho war? Wohl kaum, tragen doch zehn seiner gut 40 Opern den Namen einer Heldin, darunter meisterliche Schöpfungen wie «Agrippina» und «Alcina». Es lag zweifellos an der historischen Divergenz von Lebensläufen; hätte er Roberta Mameli hören dürfen, die Titelgeschichte wäre anders gelaufen.
Denn in Drottningholms Schlosstheater macht die italienische Sopranistin jetzt Ginevra zur Hauptfigur, was dramaturgisch ohnehin der Fall ist, sängerisch aber keineswegs selbstverständlich, wenn eine Ann Hallenberg dem Ariodante ihren distinguierten, mit berückenden Valeurs ausgestatteten Mezzo leiht. Daneben behauptet sich nicht nur Mamelis ebenso durchdringendes wie leicht herbstlich getöntes Timbre, sie triumphiert geradezu in schauspielerischer Hinsicht und sorgt derart für das schwedische Sommerereignis des Jahres.
Überhaupt hat das älteste Barocktheater des Landes – Confidencen im Park von Ulriksdal ist noch älter, aber nicht originalgetreu erhalten – wieder erstklassig gecastet. Francesca Aspromonte gibt eine elegante, in jeder Lage mühelos ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Volker Tarnow
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