Visionär und Therapeut
Für 16 Musiker des Bonner Beethoven Orchesters schien es eine gewöhnliche Dienstreise zu werden, als sie im April zusammen mit ihrem Chef, Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, in die kolumbianische Stadt Medellín flogen. Doch es wurde eine Reise tief in die Vergangenheit und Gegenwart einer Metropole, die von extremer Gewalt heimgesucht wird, zu den gefährlichsten Städten der Welt zählt und trotz aller Friedensvereinbarungen noch immer unter den Folgen jahrzehntelanger, unentwirrbarer Konflikte leidet.
Und es wurde ein unerwartet aufregender Trip in das Innenleben von Beethovens Fünfter Symphonie.
Die «Ciudad Don Bosco» in Medellín ist ein Zufluchtsort für traumatisierte Jugendliche, die zu Waisen und Straßenkindern wurden, als Soldaten und Kanonenfutter missbraucht. In der Einrichtung werden sie betreut und therapiert, erhalten Schul- und Berufsbildung. Es war ein Zusammentreffen glücklicher Umstände, das die Bonner Musiker auf der Suche nach einer eigenen Deutung von Beethovens vielgespielter Fünfter in dieses Refugium führte. Schon nach dem markanten Ta-ta-ta-taa zu Beginn des ersten Satzes wirken die Jungen und Mädchen, die bis dahin weder etwas von Beethoven noch von einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Josef Oehrlein
Er ist ein Außenseiter. Von der Dorfgemeinschaft misstrauisch beäugt. Auch wenn Peter Grimes am Anfang das Zentrum bildet auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters. Es besteht kein Zweifel, dass er gegen das Wüten der anderen am Ende keine Chance haben wird. Zwar wird Brittens verstrickter Schmerzensmann aus Mangel an Beweisen freigesprochen, doch für die...
Immer wieder diese Bilder, schwarzweiß: Ein junges Paar in der Küche, er liebkost sie, aus Zärtlichkeit wird nach und nach Gewalt, er drückt sie auf den Boden, will in sie eindringen, sie zieht ein Küchenmesser ... Nicola Raab reichert ihre Straßburger «Rusalka»-Deutung fortwährend mit projizierten Wasser-, Wald- und Wolken-Motiven an (Video: Martin Andersson)....
Mit 43 Jahren ist Daniel Behle auf dem Absprung aus dem lyrischen Fach – er hat Partien wie Lohengrin (in Dortmund und Stuttgart) und Florestan (2020 in Hamburg) im Visier. So besehen hat sein Recital mit Arien aus sieben Mozart-Opern den Charakter eines Abschieds. Als er im September an Covent Garden den Ottavio sang, überzeugte der Tenor, wie zu lesen war, mit...
