Zwiespältig

Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn Düsseldorf / Deutsche Oper am Rhein

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Das Opus um einen vermeintlich mit Sehergaben ausgestatteten Vogel ist kurz nach der ersten russischen Revolution 1905 entstanden und gilt als scharfe politische Satire auf das zaristische Herrschaftssystem. Freilich geht die Oper, die Rimsky-Korsakow nach einem Märchen von Alexander Puschkin komponierte, kaum als Zeugnis einer ­revolutionären Gesinnung durch. «Der goldene Hahn» nimmt zwar die Unfähigkeit und Korruptheit der politischen Klasse (den Zaren eingeschlossen) aufs Korn, stellt das autokratische System aber nicht in Frage.

Das Finale mit dem ohne Herrscher ratlos zurückbleibenden Volk scheint eher nach einem starken Führer zu rufen als nach demokratischer Selbstorganisation.

Je nach Temperament und politischer Einstellung mag man aus dieser Schlusspointe eine reaktionäre Haltung oder zynischen Realismus herauslesen. Ihre Zweideutigkeit hebt die satirische Energie des Ganzen gleichsam auf. Dennoch lassen sich aus dem Stück Funken schlagen. Dass die (Amts-)Träger der Macht nur am eigenen Wohl­ergehen interessiert sind (Zar Dodon, seine Söhne, die Hofschranzen), ist unübersehbar. Die Macht der «Berater» offenbart sich ungeschminkt – in der Gestalt von Dodons Astrologen, der ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Ingo Dorfmüller

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