Liebestode
Ein Einakter ist selten abendfüllend. Zwei kürzere Einakter sind zwar abendfüllend, aber nicht publikumswirksam. Drei kleinere Einakter sind meist zu lang und auch nicht publikumswirksam. Beispiel: Puccinis «Il trittico». Warum das «normale» Opernpublikum Einakter nicht besonders schätzt, bleibt ein Rätsel. Man mag wohl nicht so schnell aus einer Geschichte entlassen werden und umschalten müssen.
Die Opéra de Lyon ließ sich zum Thema Einakter etwas dramaturgisch Plausibles und höchst Spannendes einfallen: Man nehme sechs Werktitel, die sich zu einem Generalthema vereinigen lassen, geben ihnen einen Übertitel, und schon hat man drei Abende mit je zwei Aufführungen im Spielplan.
«Amour soupçon» – so der übergreifende Titel für den Sechserpack – bezeichnet das gefährliche Spiel mit der Liebe, wenn diese sich mit Argwohn und Verdächtigungen verbündet. Puccinis «Il tabarro», Zemlinskys «Florentinische Tragödie» und Sciarrinos «Luci mie traditrici» beschreiben solche Dreieckstragödien. In Bartóks «Herzog Blaubart» erwächst die Katastrophe eher aus der Mischung weiblicher Neugier und männlicher Verklemmtheit – eine tiefenpsychologische Studie à la Freud, die sexuelle Positionen der ...
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Er kam und sah. Von Siegen freilich konnte die Rede nicht sein. Dieser Cesare, ein junger Mensch in Windjacke und Freizeithosen, sah eher nachdenklich ins Publikum, und auch sein «Presti omai l’egizia terra le sue palme al vincitor» klang nicht nach Siegerpose, sondern – bei aller lebhaften Mimik – eher distanziert. Dies alles passierte im April bei Händels «Giulio...
In seiner Klage über das Fehlen von komischen Opern sagt Peter Cornelius, die Deutschen hätten zwar ihre Tragiker gehabt, aber ein Aristophanes sei noch nicht da gewesen. Es ist zweifelhaft, ob Walter Braunfels rund fünfzig Jahre später das auch von Friedrich Nietzsche herbeigesehnte aristophanische Gelächter im Sinn hatte, ob er also mit seiner Vertonung der...
Kann sich ein Regisseur das entgehen lassen? Da spielt in der Oper um die dreihundertjährige Lebensgeschichte der Sängerin Emilia Marty das Kürzel E. M. eine wichtige, wenn auch zunächst rätselhafte Rolle, bis sich herausstellt, dass sich hinter den Buchstaben zwar stets dieselbe Person verbirgt, wenn auch mit mehreren verschleiernden Identitäten, die ebenfalls...
