Irrlichtern im Labyrinth
Berlioz hatte kein Glück mit seinen Opern. «Benvenuto Cellini» wurde an der Pariser Opéra nach nur sieben Aufführungen abgesetzt, «Les Troyens» erst 1968, ein Jahrhundert nach dem Tod des Komponisten, vollständig realisiert. «Béatrice et Bénédict», sein letztes Bühnenwerk, fand 1862 bei der Uraufführung im Kurtheater von Baden-Baden freundliche Zustimmung, aber trotz der Berlioz-Renaissance der letzten Jahrzehnte fristet das Kammerspiel allenfalls ein Mauerblümchen-Dasein im Schatten der (über)mächtigen Antiken-Oper.
Das hat Gründe: Große Oper fällt in postmodernen Zeiten leichter als Komödie. Zudem sind nur wenige musikalische Komödien so brüchig wie Berlioz’ (sehr freie) Bearbeitung von Shakespeares «Viel Lärm um Nichts». Die Liebe, zu der die beiden Titelfiguren gezwungen werden müssen, wird im Stück nicht von ungefähr als «Irrlicht» bezeichnet. Berlioz’ graziöse Musik zieht über die Irrungen und Wirrungen seiner Figuren einen Schleier aus Melancholie. In seiner Komödie stehen die beiden Liebespaare gleichsam neben sich selbst. Immer wieder, so singt es die Titelheldin, ist «das Lachen in Tränen getaucht».
Die 2014 mit dem Studio-Preis der Götz-Friedrich-Stiftung ausgezeichnete ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Anselm Gerhard
Enrique Granados ereilte der Tod auf der Heimreise von einem seiner größten Erfolge. Zu Beginn des Jahres 1916 hatte die New Yorker Met seine Oper «Goyescas» uraufgeführt, doch während der Rückreise in die spanische Heimat torpedierte ein deutsches U-Boot das britisch-französische Fährschiff «Sussex». Der Pianist und Komponist hatte gleich mehrfaches Unglück im...
Neulich musste ich mal eine Gruppe Studenten auf Trab bringen – und war bass erstaunt, wie sorglos da mancher in die erste Probe spazierte. «Auf geht’s!» – «Hast du Töne, Freundchen?» – «Nö». Mann, den Mumm muss man erst mal haben. Mir fehlte der immer. Aber es gibt halt verschiedene Typen. Zeit für einen Psychotest.
1) Sie bekommen die Zusage für eine Rolle. Wie...
Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten», dichtete Schiller 1795 fast stammbuchhaft. Etwa eineinhalb Jahrhunderte später freilich, nach 1945, galt das Lied vielen Tonschöpfern als antiquiert; sie ließen es allenfalls als Parodie weiterleben. Doch einige der avancierten Komponisten akzeptierten dieses Abdrängen in ein ästhetisches Getto...
