Heftiger Rede tiefer Sinn
Heil sei dem Tag, Heil sei der Stunde». Das klang ihnen so vertraut. Also putzten die Nazis anlässlich ihres Einmarsches in Österreich vor 75 Jahren sich ihre Stiefel an Beethovens «Fidelio» ab, am 28. März 1938 in der Staatsoper. Knappertsbusch dirigierte, Max Lorenz sang den Florestan, Hilde Konetzni die Titelpartie. Hermann Göring war da und stellte sarkastisch fest: «Freiheit ist eine Freiheit, die das politische Regime hervorbringt, es ist nicht die individuelle Freiheit...» Aber auch die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus wurde 1945 mit «Fidelio» gefeiert.
Und die Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper 1955.
Dass Beethovens Freiheitsoper von Ideologen aller Farben vereinnahmt wurde, ist bekannt. Nikolaus Harnoncourt allerdings sieht das politische Umfeld, Unterdrückung, Gefängnis, Befreiung, als bloße Folie für den großen Preisgesang der Gattenliebe. Diese Tendenz der Verinnerlichung bestimmt Dynamik, Agogik und Tempowahl. Harnoncourt spitzt sein Konzept etwa gegenüber seiner Schallplattenaufnahme von 1994 nun im Theater an der Wien – mit seinem Concentus Musicus und wieder in der Fassung von 1814 – noch zu. Er deklamiert die Musik im Sinne heftiger Klangrede, ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Gerhard Persché
Was ist so grauenhaft an diesem Zusammenleben? Die Mitbewohnerinnen wieder mal schwer übernächtigt. Die Schwester im Batikkleid als Supervernünftige. Und Mama, gut, die greift gern zu Hochprozentigem, auch zu Amuletten und anderem Krimskrams aus dem Eso-Arsenal. Das Trauma, an dem Elektra leidet – und das sie immer wieder forttreibt aus dem unbarmherzig hellen...
Frau Harms, mit dem Kirchentag hätten wir Sie nicht unbedingt in Verbindung gebracht. Wer hatte die Idee, Bonhoeffer auf die Opernbühne zu bringen?
Das Projekt geht auf einen Vorschlag des Kirchentagspräsidenten Gerhard Robbers zurück. Vor zwei Jahren fragten mich die Librettisten Theresita Colloredo und David Gravenhorst, ob ich die Regie übernehmen wolle.
Ihre...
Als 1983, beim letzten großen Wagner-Jubiläum, vom Team der Gesamtausgabe eine Tagung veranstaltet wurde, hieß der Bericht «Wagnerliteratur – Wagnerforschung» (erschienen bei Schott 1985). Die Trennung war, wie Carl Dahlhaus in der Einleitung schrieb, eine Art «Notwehr»: Nur ein geringer Teil dessen, was über Wagner publiziert wird, hat mit Forschung im seriösen...
