Salonrevoluzzer
Nicht Falstaff gab den Helden an der Berliner Staatsoper, nicht Parsifal, Daniel Barenboim war es. An den neun Festtagen seines Osterfestivals stand der nie Ermüdende sieben Abende lang am Pult und dirigierte die Letztwerke Verdis und Wagners, je zweimal «Parsifal» und «Falstaff» – und wie zur Entspannung dazwischen im Konzert Mahlers Siebte (mit den Wiener Philharmonikern) und Debussys raren «Martyre de Saint Sébastien». Von Ermattung der Staatskapelle oder ihres Chefs auch in der zweiten «Falstaff»-Aufführung keine Spur.
Barenboim, der altgediente Wagner-Kämpfer, stürzte sich Hals über Kopf ins lospolternde Verdi-Vorspiel und ließ hören, wie sehr ihn die subtile Komik der genial durchrhythmisierten Partitur mitreißt, ihn zum Kommunizieren in elaboriertester Klangsprache antreibt – auch wenn das ästhetische Gegenmodell des deutschen Bühnenweihfestspiels gelegentlich hereinwehen mochte ins nunmehr sanierte, akustisch aufgerüstete Knobelsdorffhaus Unter den Linden.
Barenboim hat keineswegs nur die breite Ernsthaftigkeit deutscher Orchestersprache verinnerlicht, man spürt seine Lust, das elegant Tänzelnde oder die auftrumpfende Herrschaftsmanier des sich mal einschmeichelnden, mal ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Wolfgang Schreiber
«Die Ausflüge des Herrn Brouček» gehören zu den selten gezeigten Meisterwerken Janáčeks. Und zwar deswegen, weil die 1917, unmittelbar vor «Katja Kabanowa» entstandene Oper nicht als solches gilt. Begründet wird das Urteil mit dem chaotischen Libretto, an dem mindestens vier Autoren beteiligt waren, unter ihnen auch der Komponist; schon die literarische Vorlage ist...
«Wirf dies ererbte Grau’n von Dir», kalmiert der Sensenmann in Hugo von Hofmannsthals «Der Tor und der Tod». Denn: «Ich bin nicht schauerlich, bin kein Gerippe! / Aus des Dionysos, der Venus Sippe / Ein großer Gott der Seele steht vor dir.» Das gibt dem Toren Zuversicht. Und es trifft sich mit der im Booklet von Johannes Martin Kränzles Album «Das ewige Rätsel»...
Noch einmal bauscht der Vorhang zur Seite, und da stehen sie, jubelumbrandet, im Rosenregen: Gwyneth Jones, die erste Feldmarschallin, Brigitte Fassbaender, ihr Octavian, «Otti» Schenk, Jürgen Rose – eine Verbeugung vor dem Strauss-Dreamteam der 1970er-Jahre, eine Huldigung, bevor dieser «Rosenkavalier», Inszenierungsikone, lange von Carlos Kleiber dirigiert und an...
