Editorial

Opernwelt - Logo

Was sich leicht singt, ist schwer zu schreiben. Es gab und gibt immer nur wenige Komponisten, die sich mit der menschlichen Stimme als Instrument befassen. Dabei geht es weniger um Fragen des Umfangs oder der Dynamik als um die Balance der Lagen, um physische Spannung und Entspannung, um das Verhältnis von Klang und Emotion. Für Stimmen komponieren bedeutet mehr, als eine diastematische Linie erfinden, die zu einem bestimmten Text, Orchestersatz oder Harmonieverlauf passt. Dass man sich mit Bachs Arien oder Haydns «Schöpfung» einsingen kann, ist alles andere als selbstverständlich.

Salieri oder Beethoven haben sich zeitlebens schwer getan mit der Stimme. Mozart und Schubert begriffen früh, aber keineswegs von Anfang an, wie man sie behandelt, benutzt und beschenkt. Wolfgang Rihm hatte vor Jahren auf einem Basler Kongress die Größe, ganz offen auszusprechen: Zeitgenössische Komponis­ten schlagen sich mit so vielen anderen ästhetischen Problemen herum, dass die Eigengesetzlichkeit der Stimme kaum zu ihrem Recht kommt. Natürlich hat Rihm das für sich längst korrigiert. Bei den Salzburger Festspielen 2010 werden wir bei seinem «Dionysos»-Projekt die neues­ten Ergebnisse hören.

Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Editorial April 2010, Seite 1
von Stephan Mösch/Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wahrhaftigkeit ist alles

Es war keine schlechte Überraschung: 2004 outete sich Edita Gruberova in Donizettis «Roberto Devereux» als Darstellerin. Das Ereignis fand an der Bayerischen Staatsoper statt. Fünf Jahre später folgte dort mit ihrem Lieblingsregisseur Christof Loy «Lucrezia Borgia», und die Schraube ist quasi noch weiter gedreht: Fast nichts mehr «stört» nun die von allem Zierrat...

Latin Lover

Sie ist noch immer weit verbreitet, die Vorstellung von Don Giovanni als dem genialischen, im Gefühl seiner Omnipotenz gegen göttliches Gesetz aufbegehrenden Verführer: ein Rollenbild, das nicht zuletzt von Ausnahmesängern wie Cesare Siepi und George London geprägt wurde. Die junge Regisseurin Andrea Moses sieht das ganz anders. In ihrer Bremer Neuinszenierung von...

Vom Berg Karmel

Francis Poulencs 1957 uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» passt nicht mehr in unsere Zeit – könnte man denken. Was soll der moderne, ideologiekritische Mensch mit dieser wahren Geschichte von Karmeliterinnen anfangen, die in den Nachwehen der Französischen Revolution singend zur Guillotine schritten? So dachte zumindest Benedikt von Peter, als er die...