Gioia di cantare
Leyla Gencer lässt sich nicht entmutigen. Bei ihrem tosend umjubelten Auftritt am Schlussabend der «Leyla Gencer Voice Competition» (in der zum Komplex des Topkapi gehörenden ehemaligen byzantinischen Kirche der Hagia Eirene) wirkt die zerbrechlich gewordene, aber noch immer voll innerer Energie sich zeigende Doyenne ein wenig wie Claire Zachanassian. Doch sie ist nicht als Racheengel gekommen, beispielsweise an einem Opern-Business, das sie hinsichtlich von Schallplattenaufnahmen aufs Abstellgleis geschoben hatte.
Sondern als Botin frohen Sinns, einer «Gioia di cantare», sowie des unbedingten, sich selbst verzehrenden sängerischen Einsatzes, wie sie ihn auf der Bühne vorlebte.
Junge Gesinnungsgenossen möchte sie auch in diesem Wettbewerb finden, der nach 1995, 1997 und 2000 nun mit Unterstützung der Istanbul Foundation for Culture IKSV zum vierten Male stattfand. Gencer und ihre Mitstreiter der Jury mit deren Vorsitzendem Stéphane Lissner, Intendant der Mailänder Scala, suchten unter ursprünglich 162 Kandidaten aus 29 Ländern nach außergewöhnlichen Stimmen. «Es geht uns hier nicht um das fertige Produkt, sondern um die Perspektiven», meint Leyla Gencer. Deshalb seien auch ...
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