Gala für potente Kulinariker

Über Sinn, Profil und Zukunft der Salzburger Osterfestspiele wird heftig gestritten – hinter den Kulissen. Unterdessen entfesselt Christian Thielemann mit der Dresdner Staatskapelle «Meistersinger»-Klänge, als habe Wagner sie gerade erst erfunden. Als Zugabe gibt es eine Kammeroper von Philipp Maintz und Otto Katzameier: «Thérèse»

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Die beiden Züge rasen nicht aufeinander zu, sie stehen still. Führerstände einander zugekehrt, dummerweise auf demselben Gleis. Die Lokführer bleiben stur, Verhandlungen sollen nun klären, wer zurück in den nächstliegenden Bahnhof muss. «Im stillen Kämmerlein» sollen diese Gespräche geführt werden, so die Sprachregelung der Salzburger Osterfestspiele.

Und so verbreitet es auch Christian Thielemann, aktueller künstlerischer Leiter, während von Nikolaus Bachler, ab 2020 gegen Thielemanns Willen zum dortigen kaufmännischen Geschäftsführer, ab 2022 zum Intendanten gekürt, kein öffentliches Wort zu vernehmen ist. 

Dafür, dass man Thielemann sein nach Bayreuth zweitliebstes Spielzeug wegnehmen will, ist der gerade 60 Gewordene bester Laune. Zumindest mimt er die Rolle gut. Vor allem im Graben des Großen Festspielhauses, wo eines seiner Leib- und Magenwerke auf den Pulten liegt. Mit den «Meistersingern von Nürnberg» hat er einst dortselbst den GMD-Posten ergattert. Mit Wagners Tragikomödie debütierte er 2000 in Bayreuth. Und nun führt er mit seiner Staatskapelle Dresden eine Art Interpretation 3.0 vor, bei der aus jeder Sechzehntelnote, besonders aus den geliebten Generalpausen ...

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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Markus Thiel

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