Gott bewahre!
Vor ein paar Jahren dachten wir noch, es sei eine fiktive Dystopie, die Dave Eggers in seinem Roman «The Circle» von 2013 ausmalte. Der Circle, ein gigantischer Internet-Konzern, bündelt alle Nutzerdaten. Die User unterwerfen sich dessen Heilsversprechen bis zur völligen Auflösung des Persönlichen: Geheimnisse sind Lügen, Teilen ist Heilen, alles Private ist Diebstahl! Nach dem Cambridge Analytica-Skandal, dem Zusammenschluss von Facebook, Instagram und Whatsapp, dem Social Scoring System in China wissen wir: Die Dystopie ist bereits Realität geworden.
Höchst selten schafft es ein aktueller Stoff so schnell auf die Opernbühne wie nun am Nationaltheater Weimar, wo Ludger Vollmers Opernfassung des Romans – das Libretto lieferte Tiina Hartmann – als Auftragsarbeit des Hauses sechs Jahre nach Erscheinen des Bestsellers uraufgeführt wurde. Die Bühne sieht aus, wie man es sich in so einem Konzern vorstellt: ein cleanes Bild in Apple-Ästhetik. Weiße Schreibtische, Bildschirme mit abgerundeten Ecken, leuchtende Displays. Die Mitarbeitenden tragen legere Start-up-Klamotten in fröhlich-harmlosen Pastellfarben, die Füße stecken in Turnschuhen oder Gesundheitslatschen. Man fühlt sich wohl hier ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Nora Sophie Kienast
Die Musik war ihr in die Wiege gelegt. Vermutlich sprang der Funke von der Großmutter, einer seinerzeit in Ungarn populären Sängerin, auf die 1923 in Zürich geborene Sopranistin über. Nach dem Gesangsstudium in Hannover debütierte Colette Lorand 1945 in Basel, 1955 stand sie bei der Eröffnung der neuen Hamburger Staatsoper (deren Ensemble sie bis 1969 angehörte)...
Ein Raum, karg möbliert: Tisch, Stuhl, Fenster. Die Szenerie wirkt (alb-)traumhaft, als zögen sich imaginäre Nebelschleier durch das Zimmer. Der Blick durchs Fenster hinaus ins Freie offenbart einen Feldweg, der in einem schaurigen nächtlichen Wald verschwindet. Nichts erscheint fest und sicher, alles steht auf schwankendem Grund. Und das ist ja auch die...
Wie muss eine Opernproduktion aussehen, die auf fünf Kontinenten gezeigt werden soll, in Los Angeles und Peking, in Sydney und Kairo, Kasachstan und Genua? Ihre Premiere erlebte die demnächst weltweit herumgereichte «Lakmé» jetzt im Oman, wo sie für das 2011 eröffnete Opernhaus einen wichtigen Schritt darstellt, nicht nur was die internationalen Beziehungen...
