Zwischen den Zeiten
Vor Danzigs neuester und bewegendster Sehenswürdigkeit halten keine Touristenbusse. Überhaupt kommen kaum Leute dorthin. Vor den Wällen der alten Stadtbefestigung, eingekeilt zwischen Busbahnhof und Stadtautobahn, liegt der «Friedhof der nichtexistierenden Friedhöfe». Ein kleines Stück Ruhe inmitten des Verkehrsgetümmels. Buchen und Eichen, dazwischen Steinsäulen, die aussehen wie geborstene Baumstämme. Nur angedeutete Gräber. Überreste alter Grabsteine stützen eine symbolische, große Granitplatte im Zentrum.
Respektvoll wird hier erinnert an all diejenigen, deren Namen kein Grabstein nennt. Ein Versöhnungs- und Vergebungsversuch zwischen Generationen, Religionen, Kulturen. Ein Blick zurück in die Geschichte der Stadt und einer nach vorne – ein dezenter Blick, illusionslos und doch hoffnungsvoll.
Man kann in Danzig (polnisch: Gdansk) nicht einfach in die Oper oder ins Konzert gehen, ohne das, was war, mitzudenken. Die Geschichte schwingt überall mit. Sie ist Architektur und Sozialstruktur. Sie steckt in kleinen Blicken und großen Straßenzügen. Ihre tausend Jahre haben sich eingraviert in Gebäude und Gedanken. Danzig, das ist heute mehr denn je ein mentaler Raum, in dem sich die ...
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Mit seiner 126. Bühnenrolle gab Plácido Domingo im März 2008 an Madrids Teatro Real ein überraschendes Debüt. Der Bajazet im «Tamerlano», den Domingo anschließend auch in London und Washington präsentierte, war die erste Händel-Rolle des damals 67-Jährigen überhaupt – ein mutiger Schritt für einen Sänger, der bis dahin selbst Mozart nur ausnahmsweise («Idomeneo»)...
Dass «Der fliegende Holländer» erst ab 1901 in Bayreuth gespielt wurde, ist kein Zufall. Wagner wollte das, was er als Entwicklung von der Oper zum Musikdrama erstrebt und erkämpft hatte, keineswegs zurückdrehen. Als Nummernoper hatte der «Holländer» wenig mit dem später avisierten Gesamtkunstwerk zu tun. Wenn Wagner mehr Zeit geblieben wäre, hätte er alle seine...
Gemäuer, Weinlaub, schiefe Treppen, hinten leuchtet die Toscana. «Kinder, mit Schrotgewehren erschossen, von Baggern überrollt, von Dynamit zerfetzt…» Es ist schön hier, es gibt keinen schöneren Ort als Montepulciano. Die Mafia ist fern, möchte man glauben, aber nun steht da Luciano Violante und rezitiert zu den Tönen eines kleinen Ensembles. Seine Bodyguards haben...
