Opulenter Leerlauf
New York ist für Rossinis «Le Comte Ory» kein Neuland: Nachdem Thomas Schippers die Oper 1962 mit den Philharmonikern und Solisten wie Judith Raskin (Adèle), Shirley Verrett (Isolier) und Norman Treigle (Gouverneur) auf den Spielplan gesetzt hatte, fand das Werk 1979 auch in das Repertoire der City Opera Eingang, geadelt durch so ausgewiesene Rossini-Interpreten wie Rockwell Blake (Ory), Ashley Putnam (Adèle) und Samuel Ramey (Gouverneur).
Überfällig indes war das Met-Debüt dieser reizvollen, ersten französischen Oper Rossinis, auch wenn sie für das riesige Haus ein wenig klein dimensioniert scheinen mag. War es womöglich solchen Erwägungen geschuldet, dass Bartlett Sher eine derart gewöhnliche, übermäßig betriebsame, stellenweise gefährlich flopverdächtige Inszenierung entfesselte? Oder sind seine Dauerpossen, der Rückgriff auf TV-erprobte Comedy-Mimik und die faktische Abwesenheit jeglicher aus dem Text abgeleiteter Personenregie nicht vielmehr der opus moderandi dieses Regisseurs, zumal zahlreiche Elemente (darunter der ermüdende Rückgriff auf ablenkende Statisten) auch schon in Shers früherer «Barbiere»-Produktion an der Met sowie in seiner desaströsen diesjährigen ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von David Shengold
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Vergessen, Erinnern und Wiederentdecken gehören zum Rhythmus der Künste, gerade des Musiktheaters. Dass Pietro Mascagni, Komponist aus der Toskana in der Verdi- und Puccini-Nachfolge, der fast 20 Opernpartituren schrieb, nur mit dem schroffen Verismo seiner Jugendoper «Cavalleria rusticana» (1890) überleben soll, schien unabänderlich zu sein. Doch eroberte seine...
Eine gute Oper zu komponieren, dürfte kaum je so schwer gewesen sein wie im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Zwischen Gluck und Mozart, dem deutschen Singspiel und der französischen Revolutionsoper gelang es kaum einem der zahlreichen Hofkomponisten, die oft noch mit den Formmodellen der späten Opera seria groß geworden waren, zu einem markanten...
