Psychologie im Paradies
In Worms in der Von-Steuben-Straße befindet sich die ehemalige Großherzogliche Lateinschule, die heute den Namen «Rudi-Stephan-Gymnasium» trägt – benannt nach einem Komponisten, der sein junges Leben im Ersten Weltkrieg lassen musste und daher von der Nachwelt meist unbeachtet blieb. 1909, im Alter von gerade einmal zweiundzwanzig Jahren, begann Rudi Stephan die Arbeit an seinem Hauptwerk, der Oper «Die ersten Menschen», mit deren Fertigstellung er sich bis 1914 Zeit ließ.
Der damalige Leiter der Frankfurter Oper, Ludwig Rottenberg, der bereits Schrekers «Der ferne Klang» und «Das Spielwerk und die Prinzessin» herausgebracht hatte, legte als Uraufführungstermin den Winter 1915 fest, nicht ahnend, dass der Komponist dann schon nicht mehr am Leben sein würde. Die Premiere fand tatsächlich in Frankfurt statt, allerdings erst im Jahr 1920. Dass die Oper in den Folgejahren einigermaßen oft gespielt wurde, hing vor allem mit der von Karl Holl besorgten Umarbeitung zusammen, genauer: einer saftigen Kürzung um ein Drittel. Erst John Dew brachte 1988 in Bielefeld «Die ersten Menschen» wieder in ihrer eigentlichen Gestalt auf die Bühne.
Zehn Jahre später, im November 1998, führten das ...
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