Utopie und Perfidie
Alles ist Spaß auf Erden»: Aus dem Falstaff-Motto hatte Peter Konwitschny 2001 in Graz einen herrlich tristen Theaterabend gezaubert. Die Wehmut war heiter am Ende der Intendanz von Gerhard Brunner. Das Konzept mischte die Analyse des Stückes mit der Liebeserklärung an ein Theater und mit einer saftigen Portion Kulturpessimismus. Die Bühne bestand eigentlich nur aus einem riesigen Abriss-Container. Dort landeten Kulissenteile, Erinnerungen und Hoffnungen: «Theater war schön», stand mit Kritzelschrift darauf.
2005 geht wieder eine Ära zu Ende, die Konwitschny mitgeprägt hat.
In Hamburg gab Ingo Metzmacher nach endlosen Querelen mit einer (inzwischen aus dem Amt geschiedenen) Kulturpolitikerin auf und wechselt nach Amsterdam. Mit Konwitschny hat er die Staatsoper am Gänsemarkt in den letzten acht Jahren zu einer ersten Adresse für neugieriges, risikofreudiges, fragelustiges und immer auch absturzbereites Musiktheater gemacht. Wir werden diese Zeit, in der viel Maßstabsetzendes entstanden ist, im Jahrbuch «Oper 2005» noch einmal Revue passieren lassen.
Deshalb muss hier nur kurz die Rede sein von der letzen Premiere. «Alles ist Spaß auf Erden» hätte auch ihr Motto heißen können. Die ...
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Toscanini hat ihn ermuntert, die Kollegen Puccini und Mascagni haben ihn gelobt, aber heute wird man den Namen des Komponisten Domenico Alaleona (1881-1928) selbst in einem besseren Opernführer vergebens suchen. Seine Oper «Mirra», mit der er 1913 einen Wettbewerb gewann, die aber erst 1920 in Rom uraufgeführt wurde, verschwand trotz anfänglichen Erfolgs bald in...
Der Anfang befremdete wie immer, wenn David Alden den allegorischen Prolog einer frühbarocken Oper inszeniert: La Natura ist ein Mannweib am Filmprojektor, die Ewigkeit ein wasserköpfiges Monster, das Schicksal ein Riesenbaby. Doch die verfließende, auf den Portalschleier eines rot glühenden Gebirges projizierte Slowmotion von Sally Matthews als Calisto deutete...
Zwei Uhr früh. Der Himmel über Manaus ist schwarz. So schwarz wie das Wasser des Rio Negro, der sich an dem 1,5-Millionen-Nest mitten im Amazonasdschungel vorbeiwälzt. Fünfunddreißig Grad. Gefühlte Temperatur: fünfundvierzig Grad. Die Luft steht. Ein klebriges Gemisch, das so viel Feuchtigkeit mit sich zu führen scheint wie der mächtige Fluss, der an den Rümpfen...
