Delirium und Himmelfahrt
Das hätte uns auch behagt: rechts eine Flasche vortrefflichen Tokajerweins, vor uns eine Dose voll Tabak aus Sevilla. Und eine Klingel, um ein junges, schönes Mädchen von sechzehn Jahren zur Verrichtung kleinerer Dienste ins Zimmer zu rufen. So beschreibt Lorenzo Da Ponte das Arrangement auf seinem Schreibtisch zu jener Zeit, da er zwei Monate lang und zwölf Stunden täglich fast gleichzeitig an den Libretti für Mozarts «Don Giovanni», Martín y Solers «Baum der Diana» und der italienischen Version von Salieris «Tarare» (die er «Axur» nannte) schrieb.
Zwei Monate lang waren wir zwar nicht gefordert, doch mit den zwölf Stunden an einem Tag kam es locker hin. Denn das Budapester Frühlingsfestival 2006, das sich dem 125.Geburtstag von Béla Bartók widmete, aber zugleich am Mozart-Jahr nicht vorbeikam, bot im «Millenium Theater», einer ehemaligen Fabrik, an einem schönen Märzsonntag sämtliche Da-Ponte-Opern – von elf Uhr vormittags bis halb eins in der Früh, mit kleinen Pausen. Ein toller Tag, den der Besucher vor allem Balázs Kovalik verdankte – einem in Deutschland ausgebildeten jungen Regisseur, der an der Budapester Staatsoper die in Ungarn keineswegs beliebte ...
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Wie bereits bei der Produktion von Rameaus «Castor et Pollux» gingen den Aufnahmesitzungen auch im Fall von Händels «Rinaldo» einige Live-Aufführungen voraus. Ende März 2004 brachten Kevin Mallon und sein Aradia Ensemble in Toronto Händels Oper konzertant auf die Bühne, und zwar in der ersten Fassung von 1711. Die CD entstand wenige Monate später und wurde jetzt...
«Erst auf Brünnhildes inbrünstiges Flehen mildert Wotan seinen Spruch. Das Wasser teilt sich und gibt einen Durchgang frei.» Das rote LED-Laufband auf dem Portikus des Aachener Stadttheaters lockt Passanten an. Nach Zufallsprinzip hat Volker Straebel Sätze aus Opern-Inhaltsangaben ausgewählt und nebeneinander gestellt. Das Theater der Kaiserstadt wagt sich als...
Nach dem «Onkel aus Boston», den Helmuth Rilling aus der Versenkung geholt und wieder aufführungstauglich gemacht hatte (vgl. OW 11/2004), gilt es nun erneut einen Repertoire-Exoten zu begrüßen: «Heimkehr aus der Fremde» heißt das «Liederspiel in einem Akt», das am 26. Dezember 1829 uraufgeführt wurde.
Man vergegenwärtige sich folgende Situation: Einhundertzwanzig...
