Donizetti: Lucia di Lammermoor
Der Schnee hätte fast alles verdorben. Die Darstellerin der neuen Bonner «Lucia»-Produktion schien sich eine Erkältung eingefangen zu haben, so dass ihr Mitwirken an den Proben zunehmend beeinträchtigt wurde. Dann aber erkannte man, dass kein Virus, sondern eine allergische Reaktion auf den üppig auf der Bühne ausgestreuten Kunstschnee ihre Gesundheit beeinträchtigt hatte. Das Geflocke wurde ausgetauscht, und so kam die Isländerin Sigrún Pálmadóttir, bereits seit 2001 Mitglied des Bonner Ensembles, doch noch zu ihrem Rollendebüt.
Welch ein Einstand! Sie sang diese Lucia mit einer in jeder Hinsicht ausgefeilten Prägnanz, mit großer Musikalität und absoluter technischer Souveränität. Pálmadóttir besitzt kein Trompeten-Organ; bei ihr liegt kein Metall auf den Stimmbändern, vielmehr besitzt sie eine teilweise ins Lyrische reichende, dabei stets zu raschen dynamischen Intensivierungen fähige Stimme. Die Spitzentöne trifft sie sicher, ihre Koloraturen formt sie mit proseccohafter Agilität. Ein wenig erinnert ihr Vortrag an die Gruberova, etwa wenn sie mit scheinbar minimalem Atemaufwand Töne klar zu formen versteht und dabei die Höhepunkte mit plötzlichen Decrescendi anreichert.
Einzige ...
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