Domestizierter Western
Auf den ersten Blick scheint das Geschehen das ruppig düstere Vorspiel zu konterkarieren: Auf der Bühne steht ein Karussellpferd, ein kleiner Junge mit Cowboyhut sitzt darauf. Doch die Idylle trügt. Denn die Eltern im domestizierten Western-Look kümmern sich kaum um das Kind, das mit seiner Spielzeugpistole immer wieder auf die Mutter zielt.
Ist das der kleine Jack, den wir hier in der Rückblende sehen?
Charles Wourinens «Brokeback Mountain», vor gerade einem Jahr in Madrid zur Uraufführung gebracht (siehe OW 3/2014), ist nun mit der deutschen Erstaufführung in Aachen angekommen. Die Literaturoper über die Liebe zwischen zwei Cowboys geht zurück auf eine 1997 publizierte Kurzgeschichte der Historikerin und Publizistin Annie Proulx im Magazin «The New Yorker». Der Filmregisseur Ang Lee machte daraus 2005 einen mehrfach Oscar-prämierten Film, von Gerard Mortier kam der Auftrag für die Oper. Er plante «Brokeback Mountain» erst für die New York City Opera, nahm die Idee dann mit nach Madrid. Als Librettistin konnte Annie Proulx gewonnen werden, der amerikanische Komponist mit finnischen Wurzeln lieferte eine gemäßigt moderne Partitur, die unentschieden zwischen konzilianten und rauen ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Regine Müller
Wie ein Goldregen senkt sich der Klang ihrer lyrischen Sopranstimme auf die Hörer. Mit dem Gnadengeschenk eines erlesenen Timbres hat die Natur Mirella Freni bedacht, es verzaubert mit der «Fülle des Wohllauts». Der sinnliche, der schöne Ton – das ist keineswegs ein sängerischer Narzissmus, der sich im suono estetico gefällt, sondern, wie Theodor W. Adorno betonte,...
Christian Gerhaher mag selbst etwas von Faust haben. Auch er ist, wenn man so will, ein Grübler, ein unaufhörlich Suchender. Nur ein nach Macht gierender Mensch ist er nicht, doch davon später. Jedenfalls war auch sein Don Giovanni in Frankfurt kein planes Abbild eines Sexmächtigen, sondern eher ein im Eros verschlissener, nachdenklicher, ja brütender Antiheld. Don...
Im Zuge der italienischen Opernkrise hat nach nur zweieinhalb Jahren im Amt auch Nicola Luisotti im vergangenen Oktober seinen Rücktritt vom Posten des Musikdirektors am Teatro di San Carlo in Neapel verkündet. Doch anders als Riccardo Muti in Rom scheidet Luisotti mit Anstand: Er hat dem Management, dem Mitarbeiterstab, seinem neapolitanischen Publikum und der...
