Nachklänge der Spätromantik
Die Berliner und Kölner Aufführungen seiner Oper «Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna» (siehe OW 6/2008 und 4/2016) haben den von den Nazis als Halbjuden verfemten Komponisten Walter Braunfels einmal mehr ins Rampenlicht gerückt. Auch wenn in den letzten Jahren einige seiner Hauptwerke wieder aufgeführt wurden oder doch, wie die «Große Messe» op. 37, inzwischen in mustergültigen CD-Produktionen greifbar sind, besteht immer noch großer Nachholbedarf beim Kennenlernen seiner 1933 verbotenen und nach 1945 erneut ins Abseits geratenen Musik.
Der falschen, ja irreführenden Stilisierung als «entarteter Musik», wie im Booklet der hier besprochenen CD, bedarf es dazu nicht. Und erst recht schadet Braunfels’ Nobilitierung zum Kronzeugen einer «anderen Moderne», wie im Sonderband der Zeitschrift «Musik-Konzepte» 2014 geschehen, der differenzierten Wahrnehmung seiner Eigenart.
Auch wenn die überwiegend vor 1910 entstandenen Klavierlieder eher am Rand seines Schaffens stehen, zeigen sie doch bereits charakteristische Elemente seines Stils. Die beiden Liedgruppen op. 1 und op. 4 – die erste auf Texte des George-Kreises, in dessen Umfeld sich der Heranwachsende bewegte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert
Für Musik vor 1800 ist «historisch informierte» Aufführungspraxis längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Mozart-Rezitative vom Konzertflügel begleitet, Händel-Streicher mit sattem Dauer-Vibrato, Bach-Cembalokonzerte auf dem Steinway: undenkbar.
Dabei scheinen der Annäherung an die Vergangenheit im Detail keine Grenzen gesetzt. Wo die einen auf bestimmten...
Ist Braunschweig das neue Bielefeld? Das Staatstheater zeigt sich seit einiger Zeit ähnlich neugierig wie das Bielefelder Haus unter John Dew, der in den 80er- und frühen 90er-Jahren die einstige Seidenweber-Stadt mit Opernentdeckungen in die Feuilletons auch überregionaler Blätter brachte. In Niedersachsen liegt der Schwerpunkt dabei auf angelsächsischen Themen –...
Giuseppe Verdi, nach dem «Falstaff» als größter lebender Komponist angesprochen, soll darauf geantwortet haben: «Lassen Sie den großen Komponisten beiseite, ich bin ein Theatermann!» Als Carlo Maria Giulini und Claudio Abbado, zwei der profiliertesten Verdi-Dirigenten ihrer Generation, «Rigoletto» (1979) respektive «Un ballo in maschera» (1980) für die Deutsche...
