Tückische Idyllen
Dass nach Ludwig Rellstab und vor allem Heinrich Heine in Schuberts «Schwanengesang»-Zyklus der biedere Johann Gabriel Seidl mit seiner «Taubenpost» das letzte Wort hat, will vielen partout nicht einleuchten. Eben noch der grausige «Doppelgänger» und gleich darauf das vermeintlich harmlose Antidot, der gefiederte Freund als Symbol romantischer Sehnsucht (es war das letztes Lied Schuberts, weswegen sein Verleger Haslinger 1829 den Willen des verstorbenen Komponisten auszuführen meinte, indem er das Lied ans Ende des Zyklus setzte).
Mark Padmores zurückhaltender, durchaus als ironisch zu verstehender Tonfall entlarvt die vermeintliche Idylle dieses Lieds: Diese Brieftaube wird nie ans Ziel gelangen, weil sie unerfüllbare Wunschvorstellung ist, romantische Ironie. Eine historisch glaubhafte Interpretation, denn das Biedermeier der Gemütlichkeit gab es bloß im nostalgischen Rückblick – für die Zeitgenossen damals war das Leben alles andere als idyllisch. Padmores Stimme mit ihrem elfenbeinernen Timbre und dem kopfig dominierten Ton ist typisch für englische Tenöre, die ihr Ideal eher in der Sakralmusik finden. Vielleicht versucht er deshalb hier gelegentlich über seinen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 25
von Gerhard Persché
Seit neun Jahren, seit seinem Debüt in Erfurt, schlüpft er in die mal mehr, mal weniger glänzende Rüstung des Gralsritters. Lohengrin, das ist für Klaus Florian Vogt die Rolle geworden, über die er sich definiert und mit der er bei den Bayreuther Festspielen seinen womöglich größten Triumph gefeiert hat. Eine Gesamtaufnahme steht noch aus (und wird unter Marek...
Vor zehn Jahren hat er sie gegründet. Und innerhalb dieses Zeitraums zu einer der ersten Adressen des New Yorker Opernlebens gemacht. Dass die Gotham Chamber Opera heute als eine grundsolide, aber auch «schicke» Schaufenster-Company wahrgenommen wird, verdankt sie vor allem ihrem «Vater» und Künstlerischen Leiter Neal Goren. Der verfügt über ausgezeichnete Kontakte...
Auf den ersten Blick ist Richard Strauss’ «Liebe der Danae» (1938-40) nicht zu retten: ein überladenes Kompilat verbrauchter musikalisch-dramatischer Formeln, in dem der greise Komponist sein eigenes Œuvre von «Salome» bis «Arabella» plagiiert – sentimental in der Überzuckerung seines eigenen Weltabschieds als Gott Jupiter und obendrein belastet durch ein...
