Gott lebt
Wenn eine Welt, in der Adolf Hitler geradewegs mit Gott identisch ist, auf der Opernbühne reflektiert wird, dann muss sich «Wotan» gar unheilig imperfekt und respektlos auf «Truthahn» reimen. Dann erheben sich rechte Arme nicht nur einfach so immer wieder zum deutschen Gruß stramm himmelwärts.
Derlei Gesten aus dunkeldeutscher Zeit werden vom Orchester allzu gern mit dem Allerheiligsten der deutschen Tonkunst garniert, Goethes «Über allen Gipfeln ist Ruh», von Schubert zum ewig schönen Kunstlied veredelt, hier nun von Johannes Harneit listig-lustig durch den Kakao der Verfremdung gezogen und dabei dennoch nicht plump desavouiert.
War der deutsche Diktator bislang mit wenigen Ausnahmen (wie Alexander Raskatovs Heiner Müller-Anverwandlung «Germania» in Lyon) ein Unding in Operndingen, wird er nun auf der Probebühne der Hamburgischen Staatsoper nach allen Regeln der Kunst bühnentauglich gemacht. Ironie, Brechung, Distanzierung heißen die zwingenden Theatermittel, damit ein solches Unterfangen nicht schon im Ansatz scheitert, indem es unversehens zur emotionalen Identifizierung mit dem Scheusal einlädt. Dazu bedarf es eines Textes, der Ebenen und Epochen so geschickt genialisch und ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Peter Krause
Der Monolog aller Monologe, er kommt schon kurz nach Beginn – nicht wie bei Shakespeare erst im dritten Akt. Als wollte Brett Dean die größte Herausforderung gleich am Anfang in Angriff nehmen. Ein Befreiungsschlag? Nun ja. Was Hamlet da murmelt, ist allenfalls ein verstümmelter Monolog, mehr lakonische Feststellung als Frage: « ... or not to be». Als müsse er zur...
Als im Jahr 1876 das «Rheingold» zum ersten Mal in Bayreuth erklang, ließ Richard Wagner das tiefe Es des Beginns von einer Orgel unterstützen. Im Festspielhaus gibt es sie heute nicht mehr, auch in der Partitur ist sie nicht notiert. Wahrscheinlich waren Wagner die Kontrabässe auf den zeitgenössischen Darmsaiten schlicht zu leise, wie er etwa auch die Bratschen...
Chi scherza con Amor, scherza col fuoco: Wer mit der Liebe spielt, spielt mit dem Feuer. So ist, so war es immer. Auch der Titelheld in Giovanni Antonio Borettis «Eliogabalo» weiß um die Tücken dieses (allzu) leichtfertigen Umgangs mit der wichtigsten Nebensache der Welt. Und doch hat ihm der Schöpfer eine Musik in die Kehle gelegt, die vor Vergnügungssucht nur...
