Wer betrügt wen?
Wer dieses Stück ansetzt, sollte wissen, warum. Tatsächlich hat Jens-Daniel Herzog an seinem Haus Solisten und Barockspezialisten zur Hand, für die die über 350 Jahre alte Oper Francesco Cavallis eine schöne Herausforderung und Spielwiese ist. Szenisch bleiben bei «La Calisto» allerdings ein paar Fragezeichen. Natürlich empfiehlt es sich heutzutage, den obersten Gott im römischen Mythenhimmel ordentlich zu demontieren. Denn Giove läuft zum Kummer von Gattin Giunone nicht nur fast jedem Rock hinterher, er wendet auch miese Tricks an, um ans Ziel zu kommen.
Auf der Erde macht er die Nymphe Calisto an, die am Ende die Gestalt einer Bärin annimmt, um dereinst, wie der Prolog verheißt, als Sternbild am Firmament zu prangen.
Auf die Frage, was eine Nymphe ist, geben der Regisseur und seine Ausstatter (Bühne: Mathis Neidhardt, Kostüme: Sibylle Gädeke) die erwartbar heutige Antwort: ein Mädchen à la Greta Thunberg, das sich in einem Schulungszentrum für italienische Umweltaktivistinnen in Direktorin Diana verguckt. Letztere geriert sich als Sittenwächterin, liebt aber heimlich Hausmeister Endimione. Sekretärin Linfea ist eine ältliche Jungfer, die «endlich richtig geknallt» werden will – ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Monika Beer
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Ach, wer bringt die schönen Tage wieder? Vor Elsas Fenster liegt ödes Land: abgegraste Stoppelfelder, düster, kahl und kalt wie die Menschen, die hier leben. Goldfunkelnd leuchtet das Gralsmotiv aus dem Graben, Elsa kauert auf dem Bett, an der Zimmerwand erinnert ein Jagdhorn an den verschollenen Bruder.
In der Dortmunder Inszenierung von Ingo Kerkhof scheint der...
