Aus der Mottenkiste
Ihre erste gemeinsame Arbeit für die Musiktheaterbühne wurde vor 15 Jahren in San Francisco uraufgeführt: «Dead Man Walking». Seitdem sind Jake Heggie und sein Kompagnon Terence McNally ein gefragtes Gespann. An der Dallas Opera meldeten sich der Erfolgskomponist und der Erfolgsdramatiker unlängst mit ihrer jüngsten Errungenschaft zu Wort: «Great Scott». Eine, um es gleich zu sagen, ungelenke, überfrachtete Backstage-Comedy, die Heggie wieder einmal nutzt, um seine kompositorischen Anverwandlungskünste auszustellen.
Alles überzuckert mit der für ihn typischen sangbar-klebrigen Melodienglasur, versteht sich.
Und so geht der dünne Plot: Die berühmte Opernsängerin Arden Scott steckt in der Midlife-Crisis. Sie kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um mit der Uraufführung einer verloren geglaubten Belcanto-Oper an vergangene Bühnenerfolge anzuknüpfen. Zu dumm, dass am Premierenabend das lokale Football-Team ein wichtiges Spiel zu bestreiten hat. Schon diese Koinzidenz wirkt so konstruiert wie die meisten Einfälle des Librettisten. Probenszenen und Sequenzen aus der Vorstellung des wiederentdeckten Werks alternieren mit sentimentalen Flashbacks der Sängerin. Mal sinniert sie über ihre ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Heidi Waleson
Nimmt man Charles Gounod beim Wort, war für die französischen Sänger die Klarheit der Aussprache wichtiger als die Qualität des Tons. «Die Aussprache muss klar, sauber, distinkt und exakt sein. Das bedeutet, dass sie dem Ohr in keinem Augenblick irgendeine Ungewissheit betreffs des ausgesprochenen Wortes bereitet. Sie muss ausdrucksvoll sein, und das meint, dass...
Zwei Grundfragen machen in Drama, Musik, Roman und Film zu schaffen: wie anfangen, wie enden? Wobei Komponisten nicht selten der Beginn leichter fällt als der Schluss, das Fragmentproblem sich als Sonderfall erweist. Bei Wagner gar gehen Lösung und Erlösung Hand in Hand, die Schwierigkeiten sind komplementär. So ist es kein Zufall, dass er gerade an den ersten...
Philip Glass und sein Librettist Christopher Hampton haben ihre 2007 in San Francisco uraufgeführte Oper «Appomattox» überarbeitet. Oder sollten wir besser sagen: aktualisiert? Das Thema des Stücks, Rassismus in Nordamerika, ist leider alles andere als erledigt. Mit den jüngsten Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze ist die Diskussion um Bürgerechte wieder voll...
