Tanz mit dem Tod

Bremen: Strauss: Der Rosenkavalier

Opernwelt - Logo

Dass der Tod ein Wiener ist, wissen wir spätestens seit Georg Kreisler. Aber eine wienerische Italienerin? Regisseur Tobias Kratzer vollbringt diesen Spagat, indem er die Intrigantin Annina als weiblichen Tod auftreten lässt, und macht gleichzeitig ihren Partner Valzacchi zu einer allegorischen Verkörperung der Zeit – zwei Figuren aus dem Umkreis des Mysterienspiels, die als Drahtzieher unter das bunte Volk der «Komödie für Musik» gemischt werden.

Ein bedenkenswerter Einfall, der zu manch ungewöhnlicher, eindrucksvoller szenischer Konstellation führt – wie etwa im zweiten Finale der Tanz von Ochs mit dem Tod zu den Klängen des berühmten Walzers. Eine überzeugende Verbildlichung des Eros Thanatos, von Liebe und Tod.

So weit, so gut. Doch neigt Kratzer dazu, seine Inszenierung gedanklich zu überfrachten, so dass man sie eigentlich erst dann richtig versteht, wenn man das Programmheft gelesen hat. Der zentrale Artikel dort versucht (Herheims Bayreuther «Parsifal» lässt grüßen), den «Rosenkavalier» zu einer Art Zeitreise umzufunktionieren – beginnend in der Epoche der Entstehung der Oper vor dem Ersten Weltkrieg bis in unsere unmittelbare Gegenwart, wobei Letztere in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2010
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zweifelnde Helden

So ganz weg war er nie. Selbst als noch kein Mensch den Barock-Boom vorausahnen konnte, der die Klassikszene erfassen sollte, gehörte Giovanni Battista Pergolesi zu den Komponisten, deren Werke auf Bühnen und Konzertpodien gespielt wurden. Das komische Intermezzo «La serva padrona» war in alten Opernführern lange das einzige Stück, das die Zeitspanne zwischen...

Kein richtiges Leben im falschen

Mit seiner fünfzehnten Oper, dem im Dezember 1849 in Neapel uraufgeführten melodramma tragico «Luisa Miller», hat Verdi die Schwelle der Meisterschaft erreicht. Und dennoch wird dieses Stück, in dem er, drei Jahre vor der ungleich erfolgreicheren «Traviata», in Anlehnung an Schillers «Kabale und Liebe» erstmals einen intimen Stoff gestaltet, nur selten aufgeführt....

Kampf und Krampf

Es dauert nicht lange, da serviert Calixto Bieito im Basler Theater den ersten Schocker. Ramfis (mit eindrucksvollem Oberkörper und kräftigem Bass: Daniel Golossov), ganzkörperbemalt als eine Art Fußballkrieger, hat ein aufgeschlitztes Reh dabei und wühlt in den blutigen Eingeweiden, während er die Schnauze küsst. Ein Priester in Soutane führt ein Kind an der...