Zischeln und Brausen
In der Welt der Oper tickt die Uhr mancherorts langsamer – und so ist die Provokation, die «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» 1930 darstellte, im goldprunkenden Neo-Rokoko-Rund des Wiesbadener Theaters bis heute recht einfach zu haben. Da zünden die bissigen Texte noch, da wird im Festspielpublikum gezischt, wenn die Prostituierte Jenny ihren Slip auszieht.
So erreicht die letzte, insgesamt brave und plakativ dekorierte Operninszenierung des 2014 scheidenden Intendanten Manfred Beilharz doch irgendwie ihr Publikum, wenn auch die Schlussszene mit hochgehaltenen Schildern («Gegen die Rettung des Euro», «Occupy», «Enteignung der Banken») sehr indifferent gerät. Der Abend hat den Rhythmus einer gepflegten Nummernrevue, die das Opernensemble mit mäßiger Textverständlichkeit serviert. Wer es üppig mag, ist mit Andrea Bakers vollstimmiger Leokadja Begbick und dem kräftig aufdrehenden Tenor Daniel Brenna als Jim Mahoney gut bedient. Wer schöne Stimmen bewundert, wird von Emma Pearson – Wiesbadens amtierender Lucia und Zerbinetta – mit engelsgleichen Tönen verwöhnt.
Generalmusikdirektor Zsolt Hamar, der am Vorabend der von uns besuchten zweiten Vorstellung eine «Lohengrin»-Gala mit ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Claus Ambrosius
Sind wir nicht alle ein bisschen Wagner? Nikolaus Barton erscheint, in strahlendes Weiß gekleidet, auf der Bühne der Flämischen Oper, und alle Begleiter wissen, um wen es sich bei ihm handelt. Warum sich vorstellen? Wagner, na klar. Sich mit elegant gewandeten Komponisten identifizierend, fallen alle einander in die Arme. Um erschrocken zu erstarren, kaum dass der...
54. Jahrgang, Nr 7
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752257
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61, 10719 Berlin
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 10.6.2013
Redaktion
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann...
Zürichs immer noch neuer Intendant Andreas Homoki hat rasch Fuß gefasst. Allmählich beginnt er auch seine Berliner Risikobereitschaft zu zeigen. Für den «Don Giovanni» holte er Sebastian Baumgarten. Mit diesem Mut fing er sich allerdings einen gewaltigen Buh-Chor ein. Und das, obwohl der Regisseur sich nicht allzu weit vom Werk entfernte. Barbara Ehnes baute ihm...
