Fülle und Farbe
Neben Händels Opern haben mittlerweile auch etliche seiner Oratorien den Weg auf die Bühnen der Welt gefunden. Selbst ein so dezidiert undramatisch angelegtes Werk wie «Messiah» wurde bereits verschiedentlich szenisch realisiert. Händels Oratorium über den alttestamentlichen König Saul hingegen, der dem Wahnsinn verfällt und, von Gott verlassen, in der Schlacht umkommt, ist tatsächlich über weite Strecken als musikalisches Drama konzipiert; in der Partitur finden sich sogar explizite Szenenanweisungen.
Für seine erste Inszenierung in Glyndebourne, die im letzten Sommer zu den gefeierten Höhepunkten des Festivals zählte, hat Barrie Kosky «Saul» als eine an Shakespeares «King Lear» angelehnte Verfallsgeschichte des Titelhelden interpretiert. In Christopher Purves stand ihm ein grandioser Darsteller zur Verfügung, der Sauls geistigen Niedergang mit physischer Wucht glaubhaft machte. Dass dabei ein paar Koloraturen aus der Bahn gerieten, ist angesichts einer solch phänomenalen Darstellerleistung leicht zu überhören.
Auch Sauls Gegenfigur ist zwingend charakterisiert: Der Kampf mit dem Riesen Goliath, dessen abgeschlagenes Haupt den ganzen ersten Akt über Mittelpunkt des Geschehens ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Thomas Seedorf
Seit 1945 spielt hier allsommerlich die Musik. Auf einem prachtvollen Landsitz, etwa 80 Kilometer nördlich von New York City. Damals luden die Eigentümer des Anwesens, der aus Berlin emigrierte Walter Rosen und seine Frau Lucy Bigelow (die übrigens einen Narren am Theremin gefressen hatte), erstmals zum Festival. Ein Musikzimmer und ein Hof in spanischer Anmutung...
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Stuttgart bleibt für mich unvollendet. Nach dem Schock, den so ein Ende natürlich für die Biografie bedeutet, habe ich die ersten freien Jahre auch genossen. Doch der Wunsch war immer da, ein Opernhaus zu leiten. Und jetzt freue ich mich auf Mannheim. Mein...
Natürlich darf Shakespeare im Jubeljahr auch beim Glyndebourne Festival nicht fehlen: Er bekam mit «Béatrice et Bénédict» eine prominente Position im Programm. Berlioz’ letzte Oper – eine Version von «Viel Lärm um nichts» – kam 1862 in Baden-Baden heraus. Sie wird zwar gelegentlich aufgeführt, doch im Repertoire etablieren konnte sie sich bislang nicht. Auf dem...
