Die Macht des Schicksals

Von Ute Vinzing gibt es fast keine Aufnahmen. Wer sie auf der Bühne erlebt hat, wird sie dennoch nicht vergessen. Gerhart Asche hat die Sopranistin in Berlin besucht.

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Hochdramatische leben gefährlich. Diese Erfahrung hat Ute Vinzing Anfang der siebziger Jahre bei einem Gastspiel als Senta in Düsseldorf machen müssen. Nachdem der Sänger des Holländers nach seinen Schlussworten in die Unterbühne abgefahren worden war, sollte Senta bei ihrem Todessprung denselben Weg nehmen – aber irgendetwas in der Technik klemmte: Die Versenkungsplattform war unten geblieben. Vor der Sängerin gähnte, ohne dass sie, ganz auf ihr hohes H konzentriert, es merkte, ein mehrere Meter tiefes Loch.

Im letzten Moment kann sie von Bühnenarbeitern durch Zuruf davon zurückgehalten werden, sich hinabzustürzen. Nach diesem traumatischen Erlebnis singt sie die Partie, mit der sie damals als die «Senta vom Dienst» in ganz Deutschland herumgekommen war, noch ein-, zweimal und dann nie wieder.
Von solchen Gefahren hatte sich die 1936 in Wuppertal geborene junge Da­me zu Beginn ihrer Laufbahn natürlich noch keine Vorstellungen gemacht. Da ging zunächst alles ganz harmonisch seinen Gang. «Entdeckt» wurde sie vom Kantor ihres Kirchenchores, der sie zu einer Gesanglehrerin nach Lüdenscheid brachte. Und die wiederum, begeistert von der in Höhe und Tiefe völlig «vorhandenen» ...

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Opernwelt August 2005
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Gerhart Asche

Vergriffen
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