Sumpf und Hohlraum

Brüssel, Berg: Wozzeck

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Wozzeck legt sein Ohr an die Erdkruste: Alles hohl, sagt er, und vermutet als Grund die Freimaurer. Aktuelle Bilder treten einem bei dieser Aussage vor Augen: Die Erde wird ausgehöhlt, das Öl abgezapft, Kohle so lange abgebaut, bis die trügerische «schöne» Oberfläche einstürzt. Menschlicher Forschungsgeist, menschliche Geldgier, menschliche Uneinsichtigkeit gründen eine unheilige Allianz.

Das leidende Individum heißt Woz­zeck: nützlicher Vollidiot, sprich: Soldat, Versuchskaninchen der Medizin für ein paar Groschen Honorar, das er dann noch für eine zerrüttete Familienbande opfert. Eine Art Hartz-IV-Existenz aus dem frühen Industriezeitalter. Georg Büchner, der sensible, ahnungsvolle Dichter des neunzehnten Jahrhunderts, war gar nicht einmal so weit von unseren Tagen entfernt, als er die Geschichte des armen Soldaten Woyzeck und dessen Umwelt in griffigen theatralischen Szenen einfing.
Wer das Stück heute wieder (einmal) liest, staunt über die Hellsichtigkeit einer poetischen Imagination, die über die eigene Gegenwart hinaus weit in die Zukunft weist. Das haben auch Komponisten gespürt. Manfred Gurlitt, der Büchners «Woyzeck» kongenial in musikdramatische Szenen fasste, und, mit ...

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Opernwelt April 2008
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Gerhard Rohde

Vergriffen
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