Diesmal fehlt die Magie
Es sah nach Erfolgsrezept aus. Hatte der Schweizer Regisseur Jarg Pataki doch in der vergangenen Spielzeit am Theater Freiburg gleich mehrere Publikumsmagnete (siehe OW 5/2008) verantwortet: Kafkas «Prozess», Puccinis «Madama Butterfly» und vor allem die spartenübergreifende Produktion von Ibsens «Peer Gynt» mit Griegs kongenialer Schauspielmusik.
Dort war es zumal das Zusammenspiel von Orchester, Sängern, Schauspielern und Puppen, das ein sinnlich-opulentes theatrum mundi generierte, wie es das in der Regel eher an Dekonstruktion und postmodernes Regietheater gewöhnte Freiburger Publikum schon lange nicht mehr erlebt hatte und mit entsprechender Begeisterung aufnahm. Was also lag näher als eine Fortsetzung – mit Shakespeares «Sturm» in Kombination mit der selten gespielten Schauspielmusik von Jean Sibelius?
Nicht dass die Idee im Ansatz gescheitert wäre, ganz im Gegenteil. Shakespeares mutmaßlich letztes Opus mit seiner melancholischen Weltsicht harmoniert gut mit Sibelius’ postromantischen Klängen, aus denen eine gewisse Verzweiflung über das Ende der Tonalität zu verspüren ist. Doch schon die «Zuhilfenahme» eines großen Sibelius-Opus, der Valse triste op. 44, für eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bis heute ist er umstritten. In Jürgen Kestings neuer, zweieinhalbtausend Seiten umfassender Ausgabe von «Die großen Sänger» sind Max Lorenz gerade mal eineinviertel Seiten gewidmet. Unter der Überschrift «Hitze und Hysterie» heißt es, sein Singen habe «den Charme des Kasernentons». Und dann wird Hitlers Parade-Siegfried mit einem einzigen Satz vernichtet: «Es gibt...
Amadeus, der grelle Faun, beim Billardspielen komponierend, den Damen keck unter die Röcke greifend: Tom Hulce hat ihn bei Milos Forman so dargestellt. Solch triviale Popularität, die Mozart sich vermutlich nicht gewünscht hätte, hat Joseph Haydn nie erreicht, und so ist das diesjährige Jubiläum des Komponisten (zur 200. Wiederkehr seines Todestages) auch weit...
Auf Bildern ist Marisol Montalvo eine perfekte Lulu. Im Programmheft findet man die dunkelhäutige Schönheit: schlank, unbezähmbar, mit wild funkelnden Augen und irrem Lachen, überwältigt von Lust, ganz hingegeben an den Moment, kindlich und doch höchst gefährlich. Und denkt: Wer sonst als sie sollte die Lulu singen, dieses mythische Frauenwesen, diese...
