Funkenflug
Stille Nacht, heilige Nacht? Bacchus bewahre. Dieses Notturno kennt andere Vorlieben, und man benötigt nicht besonders viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, was da hinter geschlossenen Gardinen geschieht. Mit Feuer und Furor wühlen sich die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg («Bichette») und ihr Liebhaber Octavian («Quin-Quin») durch den nächtlichen Kissenberg, einander förmlich verschlingend in lupenreiner, ungebändigter, gegenseitiger Wollust.
Richard Strauss hat den Anfang seiner «Komödie für Musik» in drei Aufzügen bekanntermaßen mit eindeutigem Kontext unterlegt. Die machtvoll aufsteigende Sext gleich zu Beginn markiert den Liebesakt in all seiner Schamlosigkeit. Nur hat man das selten so griffig und glasklar, so fulminant gehört wie in dieser Live-Aufnahme von 2015 mit Marc Albrecht und seinem Netherlands Philharmonic Orchestra, die anlässlich der Amsterdamer Neuinszenierung durch Jan-Philipp Gloger realisiert wurde (siehe OW 11/2015). Stürmisch prescht das Blech nach vorne, seufzend sinken die Streicher unter dem phallischen Ansturm in die Federn. Ausdruck höchster Leidenschaft – aber eben auch höchster Präzision.
Denn nicht um des reinen Affektes Willen wird hier ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Jürgen Otten
Bis heute prägt «Carmen» unsere akustische Vorstellung davon, was «typisch spanisch» ist. Und doch handelt es sich bei Bizets Partitur um ein genuin französisches Werk. Ivan Repušić erinnert daran jetzt auf wahrlich erhellende Weise an der Deutschen Oper. Mit dem hochmotivierten Orchester gelingt ihm eine stilistisch sensationell stimmige Interpretation, in der das...
Bizarrer kann ein Titel kaum sein. Aber keine Sorge, er macht Sinn. «Crazy Girl Crazy» verknüpft drei Werke, die Barbara Hannigan besonders am Herzen liegen, wie sie im Booklet bekennt. Die «Mädchenzeit», so die kanadische Sängerin und Dirigentin, spiele dabei ebenso eine Rolle wie die Idee der Verrücktheit. «Nicht der Irrsinn, aber die Verrücktheit, verliebt zu...
Es war einer der letzten Kompositionsaufträge, die Gerard Mortier vergeben sollte. Eine fantastische Oper für das Teatro Real in Madrid. Maßgeschneidert für Spaniens bedeutendstes Musiktheater. In einem Idiom, das in iberischen Traditionen wurzelt und zugleich in die Welt ausgreift. Mit einem scheinbar vertrauten Sujet, das die Grenzen des Gewohnten sprengt.
Das...
