Mehr als eine Sängeroper
Wer ist die Hauptperson in Giacomo Meyerbeers 1865 an der Pariser Opéra posthum aufgeführter Oper: Vasco da Gama, der portugiesische Eroberer und Entdecker des Seewegs nach Indien, oder seine von ihm verlassene farbige Geliebte Sélika? Auf diese für das Verständnis des Werkes entscheidende Frage geben die textlichen und musikalischen Quellen keine eindeutige Antwort.
Zwar hatte Meyerbeer jahrelang an einer Oper gearbeitet, die von der unglücklichen Liebe einer afrikanischen Königin zu einem portugiesischen Seefahrer handelte und die den Titel «Die Afrikanerin» («L’Africaine») erhalten sollte. Dann aber kam er selbst auf die Idee, den historischen Vasco da Gama (französisch: Vasco de Gama) zum neuen Protagonisten und Titelträger seiner Oper zu machen. Damit weitete sich das Seelendrama zum Historiendrama, freilich ohne dass die Gewichtung von Privatem und Politischem dramaturgisch wie musikalisch bereits eindeutig erfolgt wäre. Dies zu bewerkstelligen hatte sich Meyerbeer für die Proben vorgenommen, jedoch starb er bereits vor deren Beginn. Der Nachwelt hat er somit ein Werk hinterlassen, das zwar vollständig komponiert, aber konzeptionell unfertig ist. Hätte Meyerbeer – wie bei ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Sieghart Döhring
Dass der berühmte Kastrat Carlo Broschi, genannt Farinelli, auch komponiert hat, ist seit Langem bekannt. Franz Haböck, der Pionier unter den Erforschern der Sängerkastraten, gab bereits 1923 einen Band mit Arien heraus, die zum Repertoire Farinellis gehörten, darunter auch acht Stücke, die er dem Sänger zuschrieb. Nicht für alle Werke ließ sich diese Zuweisung...
Am 2. April 2011 wäre der Schweizer Musikwissenschaftler und Publizist Theo Hirsbrunner achtzig Jahre alt geworden. Er starb wenige Monate vorher. Seit seiner Studienzeit, als von vernetztem Denken und «Kulturtransfer» noch nicht die Rede war, beschäftigte er sich mit neuer und neuester französischer Musik, aber auch mit Richard Wagner, Janácek und vielen anderen....
Jubilare
Geboren wurde Sena Jurinac am 26. Oktober 1921 im bosnischen Travnik. Sie studierte am Konservatorium von Zagreb bei Mila Kostrencic Gesang und debütierte 1942 am Nationaltheater von Zagreb in Puccinis «La Bohème» als Mimì, bevor sie kurz darauf von Karl Böhm an die Wiener Staatsoper engagiert wurde, wo sie 1951 zur Kammersängerin ernannt wurde und deren...
