Zwischen Aufbruch und Ärgernis
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich kann mir gut vorstellen, dass viele von Ihnen heute mit Skepsis ins Radialsystem gekommen sind. Sagen wir es mit einem Titel von Botho Strauß: Bekannte Gesichter – gemischte Gefühle. Was sollen sie denn bringen, solche Diskussionsrunden? Ist es nicht immer dasselbe: Letztlich reden die Beteiligten erst höflich, dann zunehmend genervt und teilweise auch taktisch aneinander vorbei. Und das geht ohne Mühe, weil die Aspekte, die Inhalte, die Zahlen so vielfältig sind, dass jeder sich herauspicken kann, was er braucht.
Ist nicht zum Thema des heutigen Abends fast alles gesagt? Klare Antwort: Ja! Es ist fast alles gesagt, aber das bedeutet nicht, dass auch alles funktioniert. Der geradezu hysterische Vorlauf, den diese Veranstaltung evoziert hat, und die Entwicklung der letzten Wochen, das alles zeigt, wie heikel und wie labil die Gesamtsituation der drei Opernhäuser in Berlin ist. Handstreichartig wird der Stiftungsdirektor ausgetauscht; ein Intendant wird an die Staatsoper berufen, und alle fragen sich, ob sich mit ihm wirklich ein Weg in die Zukunft verbindet. Die Deutsche Oper schlägt Alarm, rechnet ein Millionendefizit bis 2014 vor, muss ...
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Er floh vor der pietistischen Enge seiner Heimatstadt in die großen Metropolen, sobald er konnte. Er war attraktiv und eloquent, kreativ, polyglott und scharfzüngig. In seinen Opern war er der größte Frauenversteher des Barock. Trotzdem hatte er zeitlebens keinen belegbaren intimen Kontakt zum anderen Geschlecht. Wenn man die gesicherten Eigenschaften und...
Amadeus, der grelle Faun, beim Billardspielen komponierend, den Damen keck unter die Röcke greifend: Tom Hulce hat ihn bei Milos Forman so dargestellt. Solch triviale Popularität, die Mozart sich vermutlich nicht gewünscht hätte, hat Joseph Haydn nie erreicht, und so ist das diesjährige Jubiläum des Komponisten (zur 200. Wiederkehr seines Todestages) auch weit...
Der Mond über dem Palast des Herodes bleibt unsichtbar. Für den Pagen, der ihn mit «einer Frau» vergleicht, «die aufsteigt aus dem Grab»; für die Prinzessin, die ihn als «silberne Blume» besingt, «schön und keusch»; auch für den Tetrarchen, der in ihm «ein wahnwitziges Weib» erkennt, «das überall nach Buhlen sucht». Nicolas Brieger braucht für seine schlüssige...
