Geometrie der Liebe
So machen’s nicht alle, aber viele. Und natürlich nicht nur Frauen, weswegen der Titel «Così fan tutte» als genderpolitisch heikel gilt. Aber auch «Così fan tutti» würde nicht jede(n) befriedigen, ist doch das «i», das für alle Menschen steht, männlich. Eine Diskussion darüber wäre freilich heute obsolet, denn «Così» spiegelt, wie der Regisseur Joachim Herz einmal feststellte, Gefühle und Verhaltensweisen des 18. Jahrhunderts: die Sprache ist jene Metastasios, wenn auch oft parodiert, und die Situationen folgen Rokoko-Klischees.
Dass es sich bei dem Arrangement zwischen Ferrando, Guglielmo und Don Alfonso um eine typische Pissoir-Wette unter Machos handelt, die immer möglich ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen.
Wie dem auch sei: Die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker – die als «belgische Pina Bausch» anzusprechen angeblich nur Lebensmüde wagen – hat sich wie ihr deutsches Äquivalent aufs Panier geschrieben, die Genderverhältnisse geradezurücken. Auch in ihrer Pariser Exegese von Mozarts Oper der (Ver-)Tauscherotik. Ein weißer, beinahe aseptischer Raum, geometrisch strukturiert durch Kreise, Spiralen und Pentagramme, der in reizvollem Kontrast zum Auditorium des Palais ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
«Die Ausflüge des Herrn Brouček» gehören zu den selten gezeigten Meisterwerken Janáčeks. Und zwar deswegen, weil die 1917, unmittelbar vor «Katja Kabanowa» entstandene Oper nicht als solches gilt. Begründet wird das Urteil mit dem chaotischen Libretto, an dem mindestens vier Autoren beteiligt waren, unter ihnen auch der Komponist; schon die literarische Vorlage ist...
Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» aus den 1920er-Jahren, in Mitteleuropa jäh gestoppt von den Nazis, taucht nach und nach wieder auf, und die Opernfreunde reiben sich erstaunt die Augen, dass diese tolldreiste Nachblüte der tschechischen «Volksoper» so lange vergessen wurde. Die Rezeptur der «Verkauften Braut» erscheint in...
Während Tonios Prolog wird hektisch das Bühnenbild aufgebaut. Serena Sinigaglia, die nördlich der Alpen noch wenig bekannte Regisseurin aus Mailand, fügt Leoncavallos «meta-theatralem» Geniestreich eine zusätzliche Brechung hinzu. Wenn Tonio Theater als Theater ankündigt, bevor das Melodram dann doch in das «wahre» Leben, genauer: das «wahre» Morden umkippen wird,...
