Überschwang und Zwielicht
Die Geschichte vom «Mann am Klavier» hat im 20. Jahrhundert mehrere Wandlungen durchlaufen, letztlich ist es eine Emanzipationsgeschichte. Längst sind die Liedbegleiter aus dem Schatten getreten (gelegentlich aus einem entwürdigenden Dunkel), längst wird die künstlerische Eigenständigkeit ihres Beitrags wahrgenommen, was sich auf der Bühne eher spiegelt als in der Berichterstattung über Liederabende.
Einer der Pianisten, die zu dieser Emanzipierung früh beigetragen haben, ist Günther Weißenborn, dessen Geburtstag sich im Juni zum hundertsten Mal jährte.
Seine kürzlich (teils wieder-, teils erstveröffentlichten) Loewe-Aufnahmen mit Wolfgang Anheisser (EMI) haben gezeigt, über welche Gestaltungskraft er, gerade bei lautmalerischen Passagen, gebot. Weißenborn hatte eine Karriere als Dirigent eingeschlagen, u. a. in Halle und Hamburg, nach dem Krieg in Göttingen, wo er auch die Leitung der Händel-Festspiele übernahm. Tondokumente mit dem Orchesterleiter sind rar, ungleich größer ist die Zahl der Liedaufnahmen, deren Entstehung sich nicht zuletzt der frühen Zusammenarbeit mit Dietrich Fischer-Dieskau verdankt.
Nun liegt ein Mitschnitt von den Schwetzinger Festspielen des Jahres 1963 vor. ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 26
von Christoph Vratz
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