Lasst euch nicht verführen
Andreas Homokis Komische Oper Berlin gibt sich konsequent realistisch: Eugen Onegin als Jungschnösel der Generation Golf, Mozarts Serail als Metropolen-Bordell, Mahagonny als Ballermann-Disco, Sarastros Feuer-/Wasserprobe als Jungle Camp... In seinen Grundsätzen, reale Menschen und Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen, beruft sich das seit drei Jahren neu ausgerichtete Haus also mit Recht auf seinen Gründer Walter Felsenstein.
Worin aber besteht – jenseits von Schlagworten – diese Tradition, fragte sich ein zweitägiges Symposion, zu dem Clemens Risi und Robert Sollich (Katharina Wagners Dramaturg) vom Theaterwissenschaftlichen Institut der Freien Universität Berlin auf die Probebühne der Komischen Oper geladen hatten. Intendant Homoki verabschiedete sich nach einem kurzen Statement, was er unter gutem Musiktheater verstehe (glaubwürdige Figuren und Handlungen; professionelles Handwerk; konzeptionelle Arbeit), zu einem Einkaufsbummel mit seinem Sohn und ließ die Kolloquiums-Teilnehmer, darunter seinen Vor-Vorgänger Joachim Herz, unter sich.
Ganz so unwichtig ist die Fragestellung allerdings nicht. In Aksinia Raphaels vor einem Jahr herausgegebenem Bildband «Werkstatt ...
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