Bukolischer Charme
Nach seinen Hamburger Opern «Florindo» und «Daphne» hat Georg Friedrich Händel nur zwei weitere Werke auf deutsche Texte geschrieben: «Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus» (1717) und «Neun deutsche Arien». Beider Autor war Barthold Heinrich Brockes, als Dichter, Rechtsanwalt, Senator und Diplomat ein Mann von weitreichendem Einfluss. Seine Passion ist von vielen namhaften Komponisten seiner Zeit vertont worden. Die von Telemann sei wegen der fulminanten Aufnahme unter René Jacobs besonders erwähnt.
Die Texte der in Dacapo-Form angelegten «Deutschen Arien», die recht eigentlich den Charakter von Liedern haben, stammen aus der Gedichtsammlung «Irdisches Vergnügen in Gott».
Welche Wegstrecke die Interpretation von Händels Vokalmusik in den letzten drei Jahrzehnten durchmessen hat, wird deutlich, wenn man die «Neun deutschen Arien» in der neuen Aufnahme der spanischen Sopranistin Nuria Rial mit der von Catarina Ligendza aus dem Jahr 1977 vergleicht. Anders als die mit einer falschen Aufgabe betreute schwedische Sopranistin (eine Wagner-Sängerin von Format) versteht es die junge Spanierin, Melismen und Ornamente – keineswegs virtuosen Charakters – in die Linie ...
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